{"id":46234,"date":"2026-08-23T23:07:33","date_gmt":"2026-08-23T21:07:33","guid":{"rendered":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/vorschau\/information\/"},"modified":"2026-10-20T18:31:36","modified_gmt":"2026-10-20T16:31:36","slug":"information","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/vorschau\/peer-boehm\/information\/","title":{"rendered":"Information"},"content":{"rendered":"\n<p>Kindheitserlebnisse, Reiseerfahrungen, politische Ereignisse \u2013 all das speichert unser Ged\u00e4chtnis gleicherma\u00dfen. Aus fl\u00fcchtigen Eindr\u00fccken und vagen Momentaufnahmen w\u00e4chst ungeordnet ein Bilderreservoir, das wir alle teilen und das doch in jedem anders verankert ist. Aus diesem un\u00fcberschaubaren Fundus sch\u00f6pft Peer Boehm die Motive seiner Leinwand- und Papierarbeiten. Mit oft widersinnigen, nie ganz eindeutigen Titeln st\u00f6\u00dft er beim Betrachter Assoziationsketten an.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine dritte Einzelausstellung in der Galerie Poll versammelt \u00fcberwiegend Arbeiten aus den Jahren 2025 und 2026: Szenen aus der Schulzeit (\u201eDie Neue\u201c, \u201eDer Film f\u00e4ngt gleich an\u201c, \u201eErste Stunde Textiles gestalten\u201c), von ersten Begegnungen mit dem anderen Geschlecht (\u201eIch will lieber nicht\u201c) und aus den Sommerferien am vollen Strand (\u201eIm Auto war es warm und bequem\u201c). Hinzu kommt \u201eBerlin 1989\u201c, ein Bild von 2007, das den Mauerfall als Wendepunkt der Zeitgeschichte in den Blick nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr seine Papierarbeiten w\u00e4hlt Boehm bereits bedruckte Untergr\u00fcnde wie historische Seekarten oder altes Briefpapier. Darauf zeichnet er, meist mit Kugelschreiber, und setzt das Vorgefundene in Beziehung zum Gezeichneten. Die gro\u00dfformatige Zeichnung \u201eWas willst Du mit Deinem Anteil machen?\u201c zeigt einen Jungen, der auf einem Flo\u00df \u00fcber eine Seekarte treibt. Motiv, Papier und Titel lassen an eine Schatzsuche denken \u2013 eine einzige \u201erichtige\u201c Lesart aber gibt es bei Boehm nie. Fortgesetzt hat er auch seine Reihe auf dem Briefpapier des k.o. club, eines 1969 in Hannover gegr\u00fcndeten Vereins f\u00fcr Avantgarde-Film: Er hat weitere Filmszenen aufgesp\u00fcrt, die auf den Absender Bezug nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcndig wird Boehm in Fotoalben vom Flohmarkt, in Illustrierten oder im Internet. Personen und Orte abstrahiert er am Computer und reduziert die Vorlage auf Hell-Dunkel-Kontraste, bis sie kaum noch zu erkennen ist. Dann \u00fcbertr\u00e4gt er sie auf Leinwand oder Papier und arbeitet sie dort weiter aus. F\u00fcr die Leinw\u00e4nde hat er eine eigene Lasurtechnik mit Aquarell, Acryl und Tusche entwickelt. Mitunter dienen auch Kaffee oder Rost als Malmittel, und ihr br\u00e4unlicher Ton l\u00e4sst die Bilder wie verblichene Fotografien erscheinen. Boehms Bildsprache beruht auf dem Prinzip der Aussparung: Helle und dunkle Fl\u00e4chen verschwimmen ineinander. So wirken die Arbeiten zun\u00e4chst schemenhaft und treten erst bei l\u00e4ngerem Hinsehen hervor wie aus dem Unterbewusstsein \u2013 als ganz pers\u00f6nliche Erinnerungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peer Boehm,<\/strong> 1968 geboren in K\u00f6ln, studierte von 1990 bis 1994 Kunstgeschichte, Arch\u00e4ologie und Germanistik an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln. 2021 wurde er mit dem Kunstpreis Wesseling ausgezeichnet, der 2023 mit einer Ausstellung im gleichnamigen Kunstverein verbunden war. 2022 waren seine Arbeiten im Willy-Brandt-Haus in Berlin ausgestellt, 2024 fand eine gro\u00dfe \u00dcbersichtsausstellung mit Werken aus 17 Jahren im Museum Modern Art H\u00fcnfeld statt. Arbeiten des K\u00fcnstlers befinden sich in zahlreichen deutschen und internationalen Privatsammlungen. Peer Boehm lebt und arbeitet in K\u00f6ln, wo er von der Galerie Anja Knoess vertreten wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kindheitserlebnisse, Reiseerfahrungen, politische Ereignisse \u2013 all das speichert unser Ged\u00e4chtnis gleicherma\u00dfen. Aus fl\u00fcchtigen Eindr\u00fccken und vagen Momentaufnahmen w\u00e4chst ungeordnet ein Bilderreservoir, das wir alle teilen und das doch in jedem anders verankert ist. Aus diesem un\u00fcberschaubaren Fundus sch\u00f6pft Peer Boehm die Motive seiner Leinwand- und Papierarbeiten. 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