{"id":3805,"date":"2021-08-23T16:50:26","date_gmt":"2021-08-23T14:50:26","guid":{"rendered":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/vorschau\/stillleben\/information\/"},"modified":"2025-02-05T16:39:05","modified_gmt":"2025-02-05T15:39:05","slug":"information","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/archiv\/stillleben\/information\/","title":{"rendered":"Information"},"content":{"rendered":"\n<p>Wurmstichige \u00c4pfel, auf Zinntellern arrangiertes Wild, Portr\u00e4ts von Muscheln oder Kiesel\u00adstei\u00adnen. Maler des 17. Jahrhunderts sahen in ganz gew\u00f6hnlichen Dingen neue Bilder, es war die Bl\u00fctezeit des Stilllebens. Heute, angesichts allgegenw\u00e4rtiger und scheinbar alles durch\u00addringender Fotoapparate, ist die Stillleben-Malerei wichtiger denn je: Sch\u00f6nheit, aber auch Abgr\u00fcnde des Alltags lassen sich nicht per Photoshop erfinden. Es kommt darauf an, sie vor der Staffelei, im Akt des Malens zu entdecken. Und so oszillieren die Bilder von Peter Herrmann, Ralf Kerbach, Heidrun Rueda und Volker Stelzmann in der Ausstellung <em>Stillleben<\/em> der Galerie Poll zwischen pr\u00e4ziser Abbildung und dem, was allenfalls intuitiv zu erahnen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einschr\u00e4nkungen aufgrund der Corona-Pandemie haben zeitweise zum Stillstand des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens gef\u00fchrt. Viele Wochen war es nicht m\u00f6glich, Ausstellungen, Museen, Theater und Konzerte zu besuchen. Der pers\u00f6nliche Austausch mit Freunden oder Bekannten unterlag Kontaktbeschr\u00e4nkungen, Caf\u00e9s und Restaurants waren geschlossen, Reisen nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich. Auf sich zur\u00fcckgeworfen, haben viele Menschen ihre unmittelbare Umgebung und die Dinge um sich herum neu wahrgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit skizzenhafter \u00d6lmalerei in Braun- und Graut\u00f6nen f\u00e4llt im <em>Fensterstilleben<\/em> (2021) von Ralf Kerbach der Blick durch zwei weit ge\u00f6ffnete Fensterfl\u00fcgel auf einen Baumstamm. Auf dem Fensterbrett liegen ein Schneckenhaus, eine Muschel und ein Notizzettel. Leicht und transparent ist auch <em>Grande Amore<\/em> (2021) auf die Leinwand gebracht. Die Darstellung von zwei Kaffeebechern aus Pappe und einer Papiert\u00fcte ist nicht nur ein Stillleben, sondern auch eine Momentaufnahme des Take-Away-Alltags.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein kleiner und ein gro\u00dfer Lollo-Rosso-Salatkopf vor poppig rosafarbenem Hintergrund (<em>Stehender<\/em> <em>Salatkopf, klein,<\/em> und <em>Stehender Salatkopf, gro\u00df,<\/em> beide 2021), ein gro\u00dfes Glas mit roten Paprika und leuchtend gr\u00fcnem Schraubverschluss (<em>Paprikaglas,<\/em> 2021) oder ein halbgef\u00fclltes <em>Wasserglas an Tischkante<\/em> (2015): Heidrun Rueda malt ihre Motive naturalistisch in Tempera, Acryl und \u00d6l. Entstehen ihre gro\u00dfformatigen fotorealistischen Bildserien von Flugzeugen, Landschaften oder Tieren nach Fotovorlagen, so sind die Stillleben nach der Natur gearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Peter Herrmann&nbsp;stellt seine Motive in verbl\u00fcffender Einfachheit dar. H\u00e4ufig haftet ihnen etwas Komisches an. Seit einigen Jahren verwendet der Maler bevorzugt leuchtende, beinahe grelle Farben. Das zweiteilige Bild <em>Gro\u00dfer D\u00f6ner<\/em> (2007) zeigt vor t\u00fcrkisfarbenem Hintergrund einen Spie\u00df mit D\u00f6nerfleisch, daneben Fladenbrote. Drei \u00fcberlebensgro\u00dfe schwarze V\u00f6gel, Kr\u00e4hen oder Raben, erstarrt auf rosafarbenem Kopfsteinpflaster vor hellblauem Himmel dominieren das dreiteilige Gem\u00e4lde <em>Schwarz-Wei\u00df<\/em> (2020). &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Neben Menschen- und Figurenbildern sowie Portr\u00e4ts nehmen Stillleben im Werk von Volker Stelzmann einen bedeutenden Raum ein. In den meist kleinformatigen Gem\u00e4lden gew\u00e4hrt der K\u00fcnstler Einblicke in sein pers\u00f6nliches Umfeld: \u00fcber die Jahre gesammelte Karnevalsmasken verschiedener Epochen in einer Holzkiste (<em>Stilleben Masken<\/em>, 2014), ein aufgefalteter, leerer Pappkarton (<em>Karton<\/em>, 1988) oder ein angeschnittener Brotlaib und eine leuchtend gelbe Zitrone auf einem K\u00fcchentisch vor nachtblauem Hintergrund (<em>Stilleben mit Brot und Zitrone<u>,<\/u><\/em> 1973). Die pr\u00e4zise Wiedergabe von Farbigkeit, Lichtf\u00fchrung und Materialit\u00e4t der Bildgegenst\u00e4nde beeindruckt. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Herrmann <\/strong>(geb. 1937) besucht nach einer Ausbildung als Chemigraph ab 1953 Malkurse an der Volkshochschule bei J\u00fcrgen B\u00f6ttcher-Strawalde. 1984 verl\u00e4sst er die DDR und reist nach Hamburg aus; seit 1986 lebt er in (West-)Berlin. 1998 wurde Peter Herrmann f\u00fcr sein Werk mit dem Villa Romana-Preis, Florenz und 2001 mit dem Fred Thieler-Preis f\u00fcr Malerei der Berlinischen Galerie ausgezeichnet, in deren Sammlung sich ebenso Werke des K\u00fcnstlers befinden, wie u.a. in den Staatlichen Museen zu Berlin, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und dem Museum Ludwig in K\u00f6ln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ralf Kerbach <\/strong>(geb. 1956) studierte von 1977 bis 1979 an der HfBK Dresden bei Prof. Gerhard Kettner, bis die DDR ihn zur Exmatrikulation dr\u00e4ngte. Daraufhin siedelte er 1982 nach West-Berlin \u00fcber. 1986\/87 erhielt er ein Stipendium in Olevano. Seit 1992 lehrt er als Professor Malerei und Grafik an der HfBK Dresden. Seine Werke befinden sich u.a. in der Berlinischen Galerie, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, im Museum der bildenden K\u00fcnste Leipzig und im Museum Barberini Potsdam.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heidrun Rueda <\/strong>(geb. 1963) studierte von 1989 bis 1996 Malerei an der HfBK Dresden bei Prof. G\u00fcnther Horlbeck. 1994 erhielt sie das S\u00e4chsische Landesstipendium, 1999 ein Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds und 2004 ein Aufenthaltsstipendium im Schloss Wiepersdorf. Heidrun Ruedas Arbeiten befinden sich in mehreren privaten und \u00f6ffentlichen Sammlungen, so im Brandenburgischem Landesmuseum f\u00fcr Moderne Kunst Frankfurt\/Oder, der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt\/Main und der Biblioth\u00e8que Nationale de France Paris.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Volker Stelzmann <\/strong>(geb. 1940) studierte von 1963 bis 1968 an der HGB Leipzig, wo er von 1975 bis 1986 lehrte, seit 1982 als Professor. 1986 nutzte Volker Stelzmann eine gro\u00dfe Ausstellung seiner Arbeiten in der Staatlichen Kunsthalle in West-Berlin, um die DDR zu verlassen. Nach einer Gastprofessur an der St\u00e4delschule Frankfurt\/Main lehrte er von 1988 bis 2006 an der HdK Berlin. Werke des K\u00fcnstlers befinden sich in zahlreichen Sammlun\u00adgen, darunter die Staatlichen Museen zu Berlin, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das Museum Folkwang Essen und das Sprengel Museum Hannover.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wurmstichige \u00c4pfel, auf Zinntellern arrangiertes Wild, Portr\u00e4ts von Muscheln oder Kiesel\u00adstei\u00adnen. Maler des 17. Jahrhunderts sahen in ganz gew\u00f6hnlichen Dingen neue Bilder, es war die Bl\u00fctezeit des Stilllebens. Heute, angesichts allgegenw\u00e4rtiger und scheinbar alles durch\u00addringender Fotoapparate, ist die Stillleben-Malerei wichtiger denn je: Sch\u00f6nheit, aber auch Abgr\u00fcnde des Alltags lassen sich nicht per Photoshop erfinden. 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