{"id":35905,"date":"2024-01-18T01:27:22","date_gmt":"2024-01-18T00:27:22","guid":{"rendered":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/vorschau\/information\/"},"modified":"2024-03-15T18:09:04","modified_gmt":"2024-03-15T17:09:04","slug":"information","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/archiv\/peer-boehm\/information\/","title":{"rendered":"Information"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eKopfkino\u201c ist der programmatische Titel der zweiten Einzelausstellung des K\u00f6lner K\u00fcnstlers Peer Boehm mit neuen Malereien und Kugelschreiberzeichnungen in der Galerie Poll.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Ged\u00e4chtnis speichert gleicherma\u00dfen Erlebnisse der Kindheit, Reiseerfahrungen oder politische Ereignisse als ungeordnete, oft schemenhafte Eindr\u00fccke. Dieses kollektive, individuell ganz unterschiedlich veranker\u00adte Bilderreservoir ruft der K\u00fcnstler in seinen Leinwand- und Papierarbeiten auf. Es geht ihm dabei nicht um die eine \u201erichtige\u201c Sichtweise, denn es gibt viele m\u00f6gliche Bilder, die im Kopf des Betrachters entstehen k\u00f6nnen, je nach Alter und Erfahrungshorizont. Auch im Austausch \u00fcber diese individuellen Eindr\u00fccke liegt der Reiz von Boehms Arbeiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKopfkino\u201c verweist auf das Erinnern als zentrales Thema von Peer Boehms k\u00fcnstlerischem Schaffen, aber auch auf eine Reihe von Kugelschreiberzeichnungen, die er f\u00fcr die Ausstellung auf Briefpapier des k.o. club festhielt, einem 1969 in Hannover gegr\u00fcndeten Verein f\u00fcr Avantgarde-Filme. Peer Boehm hat zehn Motive gefunden, die im inhaltlichen Zusammenhang zu diesem Bildtr\u00e4ger seiner Zeichnungen stehen. Mit Bildtiteln wie \u201eEndlich Fenster zur Stra\u00dfe\u201c, \u201eEs ist dann doch noch gut ausgegangen\u201c oder \u201eHeute Umbau\u201c f\u00fchrt der K\u00fcnstler den Betrachter in eine cineastische Assoziationswelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Boehm findet seine Motive in Fotoalben auf dem Flohmarkt, in Magazinen oder dem Internet. Personen und Orte abstrahiert er durch digitale Bearbeitung und reduziert das Motiv auf Hell-Dunkel-Kontraste bis an den Rand der Unkenntlichkeit, bis er es schlie\u00dflich auf die Leinwand oder auf das Papier \u00fcbertr\u00e4gt und dann weiter k\u00fcnstlerisch bearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Boehms Bildsprache beruht auf dem Prinzip der Ausspa\u00adrung, helle und dunkle Fl\u00e4chen werden nebeneinandergestellt. Dadurch wirken seine Bilder und Zeichnungen wie eine schemenhafte Erinnerung. Ereignisse der Zeitgeschichte werden ebenso zum Bildinhalt wie banale Alltagssituationen oder traditionelles Brauchtum, so \u201eBerlin 1989\u201c von 2024 mit auf der Mauer tanzenden Menschen, \u201eF\u00e4nger sein\u201c von 2021 oder \u201eDie Maik\u00f6nigin\u201c von 2023.<\/p>\n\n\n\n<p>Peer Boehm hat eine Lasurtechnik entwickelt, in der er seine Motive mit Aquarell, Acryl und Tusche auf die Leinwand \u00fcbertr\u00e4gt. Manchmal setzt er Kaffee oder Rost als Malmittel ein, die br\u00e4unliche F\u00e4rbung l\u00e4sst sein Motiv wie eine verblichene Fotografie erscheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch \u00dcberlagerung verschiedener Lasuren entsteht eine halbtransparente Tiefe. Meist dominiert auf den Bildern ein Farbton, h\u00e4ufig Blau oder Braun. Es gibt auch Arbeiten, auf denen Boehm zwei Motive wie bei einer fotografischen Mehrfachbelichtung ineinander blendet, zum Beispiel das gro\u00dfformatige Gem\u00e4lde \u201eAntibes\u201c von 2023. Der blaue Hintergrund zeigt die in die K\u00fcstenfelsen eingelassene Terrasse des exklusiven Hotels Eden Roc. Dar\u00fcber hat Boehm mit roter Farbe einen gestreiften Sonnenschirm gelegt. Entstanden ist ein Bild, das die Erinnerung an einen warmen, flirrenden Sommertag in Frankreich aufruft.<\/p>\n\n\n\n<p>Um seine Kugelschreiberzeichnungen zu fixieren, hat Peer Boehm ebenfalls eine spezielle Technik entwickelt. Wenn eine Zeichnung fertig ist, nimmt er ein B\u00fcgeleisen zur Hand. Mit der \u00fcber die Jahre gesammelten Erfahrung gelingt es ihm dabei, in einer Art gesteuertem Zufall in den Zeichnungen Partien zu erzeugen, die wie aquarelliert wirken und ihnen zus\u00e4tzliche Tiefe geben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peer Boehm,<\/strong> 1968 geboren in K\u00f6ln, studierte von 1990 bis 1994 Kunstgeschichte, Arch\u00e4ologie und Germanistik an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln. 2021 wurde er mit dem Kunstpreis Wesseling ausgezeichnet, der 2023 mit einer Ausstellung im gleichnamigen Kunstverein verbunden war. In Berlin waren seine Arbeiten 2022 im Willy-Brandt-Haus ausgestellt. Noch bis 21. April 2024 ist eine Werk\u00fcbersicht des K\u00fcnstlers mit Arbeiten aus 17 Jahren im Museum Modern Art H\u00fcnfeld zu sehen. Seine Werke befinden sich in deutschen und internationalen Privatsammlungen. Peer Boehm lebt und arbeitet in K\u00f6ln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKopfkino\u201c ist der programmatische Titel der zweiten Einzelausstellung des K\u00f6lner K\u00fcnstlers Peer Boehm mit neuen Malereien und Kugelschreiberzeichnungen in der Galerie Poll. Unser Ged\u00e4chtnis speichert gleicherma\u00dfen Erlebnisse der Kindheit, Reiseerfahrungen oder politische Ereignisse als ungeordnete, oft schemenhafte Eindr\u00fccke. Dieses kollektive, individuell ganz unterschiedlich veranker\u00adte Bilderreservoir ruft der K\u00fcnstler in seinen Leinwand- und Papierarbeiten auf. 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