{"id":29660,"date":"2023-01-23T19:00:51","date_gmt":"2023-01-23T18:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/archiv\/information\/"},"modified":"2025-03-25T17:59:06","modified_gmt":"2025-03-25T16:59:06","slug":"information","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/archiv\/peter-sorge8-september-3-november-2018\/information\/","title":{"rendered":"Information"},"content":{"rendered":"\n<p>In einer Altbauwohnung in der Niebuhrstra\u00dfe 77 in Berlin-Charlottenburg er\u00f6ffnete am 8. Oktober 1968 mit einer Einzelausstellung des Malers, Zeichners und Grafikers Peter Sorge (1937-2000) die Galerie Poll. Zum Jubil\u00e4um \u2013 50 Jahre danach \u2013 zeigt sie vom 8. September bis 3. November 2018 mit \u201eDoes sex cause cancer?\u201c einen Querschnitt durch das Werk des Berliner kritischen Realisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn 1968, das Gr\u00fcndungsjahr der Galerie, ist zur historischen Chiffre geworden f\u00fcr gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen und einen kulturellen Aufbruch. Der im Erinnerungsjahr der Studentenrevolte vielfach zelebrierte R\u00fcckblick war ein Grund daf\u00fcr, Peter Sorge auszuw\u00e4hlen: Unmittelbar reagierte der Berliner K\u00fcnstler in seinen Arbeiten mit Zitaten aus Tageszeitungen, Illustrierten, Porno- und Sportmagazinen auf die Gescheh\u00adnisse. Und es wirkt heute noch aktuell, wie Sorge Schlaglichter wirft auf die m\u00f6rderische Kriegsf\u00fchrung der USA in Vietnam oder die brutale Zerschlagung des Prager Fr\u00fchlings durch sowjetische Truppen. Auch wenn er den Deutschen die Hungersnot in Biafra vor Augen f\u00fchrt, die Menschenrechtsverletzungen der Milit\u00e4rdiktatur in Griechenland, Folteropfer des spanischen Franco-Regimes oder des persischen Schahs, dann werden Parallelen sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Inspiriert von Methoden der Pop Art und gegen die Vorherrschaft der abstrakten Malerei \u201eportr\u00e4tierte\u201c Sorge die mediale Wirklichkeit der politisch aufgew\u00fchlten 1960er in Gem\u00e4lden, Zeichnungen und Druckgraphiken. Bei seinen Werken handelt es sich h\u00e4ufig um Mehrfeld-Bilder, in denen der K\u00fcnstler anscheinend Unzusammenh\u00e4ngendes miteinander kombiniert: Manchmal ergibt sich ein scharfer, sofort ins Auge springender Kommentar, meist aber \u00fcberl\u00e4sst es Sorge dem Betrachter, assoziativ an seine provozierend zusammengestellten Motive anzukn\u00fcpfen. Seine medienkritische, auf Bewusstmachung zielende Kunst ist ein kulturhistorisch bedeutsames Kapitel deutscher Nachkriegskunst. Sie ist zudem, angesichts zunehmender Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber der schieren Masse digitaler Bilder, hoch aktuell.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch mache also Bildzitate aus den sog. Massenmedien. Die K\u00e4stchen und Strich- oder Farbrahmen drumrum sind die Anf\u00fchrungsstriche. Mehrere dieser Zitate stelle ich nun auf einem Blatt zusammen bzw. gegeneinander und erhalte so manchmal Bilderr\u00e4tsel, manchmal Kalauer, wenns hoch kommt, Paradoxe und Antithesen, aus denen der Betrachter seine Synthesen machen kann und soll. (\u2026) Ich m\u00f6chte, dass die Leute das optische Angebot, das sie jeden Tag vorgesch\u00fcttet bekommen, nicht Seite f\u00fcr Seite konsumieren und wieder vergessen, sondern durch befremdliche Kombinationen dieses Angebots betroffen werden und vielleicht gar \u201aDenkanst\u00f6\u00dfe\u2018 erhalten.\u201c (Peter Sorge, 1972)<\/p>\n\n\n\n<p>Peter Sorges Arbeiten sind in zahlreichen \u00f6ffentlichen Sammlungen vertreten. Er wurde bei einer Umfrage des Kunstmagazins<em> <\/em>flash art in West-Berlin 1972 von Museumsdirek\u00adtoren, Galeristen und Kunstkritikern als einer der wichtigsten Protagonisten der damaligen Kunstszene benannt. Dennoch ist sein Werk heute nur einem engen Kreis bekannt. Es gilt, ihn neu zu entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Sorge studierte ab 1958 an der Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste Berlin und schloss sein Studium dort 1964 als Meistersch\u00fcler bei Fred Thieler und Mac Zimmermann ab. Er war Gr\u00fcndungsmitglied der heute legend\u00e4ren Produzentengalerie Grossg\u00f6rschen 35 (1964-1968) sowie der Gruppe Aspekt (1972-1977). 1968 erhielt er den Burda-Kunstpreis in der Sparte Grafik, 1969 den Kunstpreis der Stadt Wolfsburg. Von 1980 bis 1982 lehrte er als Gastprofessor an der Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste Braunschweig. Zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Museen, Kunstvereinen und Galerien folgten. Die Galerie Poll widmete dem K\u00fcnstler nach 1968 zahlreiche weitere Einzelausstellungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eva und Lothar C. Poll setzten mit ihrer Galerie die Tradition von Gro\u00dfg\u00f6rschen 35 fort. Stand der Name Poll anfangs vor allem f\u00fcr die Kunstrichtung des \u201eKritischen Realismus\u201c, gilt die heute von Nana Poll gemeinsam mit ihrer Mutter Eva Poll geleitete Galerie als Ort f\u00fcr figurative Kunst der Gegen\u00adwart seit 1960 mit den Schwerpunkten deutsche Malerei, Zeichnung, Fotografie und Skulptur.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach mehreren Standorten, davon drei\u00dfig Jahre am L\u00fctzowplatz 7 in Berlin-Tiergarten, hat die Galerie ihren Sitz seit Sommer 2015 in der Gipsstra\u00dfe 3 in Berlin-Mitte. Im selben Geb\u00e4ude arbeitet auch die Kunststiftung Poll. Mit einem zus\u00e4tzlichen Schaulager bietet der gemeinsame Standort insgesamt rund 350&nbsp;m\u00b2 Ausstellungsfl\u00e4che. Das Geb\u00e4udeensemble der ehemaligen Musikschule Mitte wurde Ende der 1990er Jahre nach den Entw\u00fcrfen des Architekten J\u00fcrgen Pleuser zu einem Kunst- und Atelierhaus ausgebaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Galerie Poll ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsth\u00e4ndler (BVDG) und im Landesverband Berliner Galerien (lvbg). Sie z\u00e4hlt zu dessen Gr\u00fcndungsmitgliedern und war 1968 ebenfalls beteiligt an der Gr\u00fcndung der Vorg\u00e4ngerin, der Interessengemeinschaft Berliner Kunsth\u00e4ndler (IBK), die Ende der 1960er Jahre parallel zu K\u00f6ln in Berlin die ersten Messen f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst veranstaltete und deren Vorsitz Eva Poll von 1976 bis 1982 innehatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Eva Poll war im Kunstbeirat des Senats t\u00e4tig, sie hat die Vergabe des Otto-Nagel-Preises, mit Ausstellung und F\u00f6rderstipendium, mit initiiert. Sie geh\u00f6rt u.&nbsp;a. dem Vorstand des von G\u00fcnter Grass (1927-2015) gestifteten Daniel-Chodowiecki-Preises an. Zusammen mit Lothar C. Poll gr\u00fcndete sie 1986 die Kunststiftung Poll und hat als Kuratorin zahlreicher Ausstellungen in Museen in Deutschland und im europ\u00e4ischen Ausland sowie in Goethe-Instituten in aller Welt Zeichen gesetzt. In W\u00fcrdigung ihrer gro\u00dfen Verdienste um die Berliner Kunstlandschaft und als Auszeichnung f\u00fcr ihr langj\u00e4hriges kulturpolitisches Engagement wurde Eva Poll im Jahr 1993 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Der lvbg trug ihr im Jahr 2008 die Ehrenpr\u00e4sidentschaft an. Nana Poll arbeitet seit 2014 im Vorstand des lvbg mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Teil des umfangreichen Archivs der Galerie Poll befindet sich seit 2009 im Zentralarchiv f\u00fcr deutsche und internationale Kunstmarktforschung (ZADIK).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer Altbauwohnung in der Niebuhrstra\u00dfe 77 in Berlin-Charlottenburg er\u00f6ffnete am 8. Oktober 1968 mit einer Einzelausstellung des Malers, Zeichners und Grafikers Peter Sorge (1937-2000) die Galerie Poll. Zum Jubil\u00e4um \u2013 50 Jahre danach \u2013 zeigt sie vom 8. September bis 3. 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