{"id":29648,"date":"2023-01-23T18:40:43","date_gmt":"2023-01-23T17:40:43","guid":{"rendered":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/archiv\/information\/"},"modified":"2023-01-23T18:44:37","modified_gmt":"2023-01-23T17:44:37","slug":"information","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/archiv\/jan-schueler10-november-2018-12-januar-2019\/information\/","title":{"rendered":"Information"},"content":{"rendered":"\n<p>Nach Figuren- und Landschaftsbildern stellt die Galerie Poll in ihrer dritten Einzelausstellung von Jan Sch\u00fcler seine neue, seit 2017 entstehende Reihe der Berlin-Bilder vor. Stammten die bisherigen Bildthemen mit Portr\u00e4ts von Freunden, Pop-Idolen oder Rheinlandschaften aus dem unmittelbaren Lebensbereich von Jan Sch\u00fcler, hat der K\u00fcnstler 2016 damit begonnen, in seinen Gem\u00e4lden die gesellschaftlichen und politischen Umst\u00e4nde, in denen er aufgewachsen ist, zu reflektieren. Hierzu geh\u00f6rte f\u00fcr den 1963 geborenen Maler zuallererst eine Auseinanderset\u00adzung mit dem Thema Auschwitz in der Reihe \u201eSchwarze Blumen\u201c (2016\/2017). Dieser Reihe folgt nun mit \u201eBerlin\u201c eine Serie, die sich mit der Stadt von 1945 bis heute auseinander\u00adsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945, die Teilung der ehemaligen Hauptstadt durch die Mauer 1961 und die Wiedervereinigung 1990 sind historische Bezugspunkte, in jedem Geschichtsbuch wie auch im kollektiven Ged\u00e4chtnis. F\u00fcr den K\u00fcnstler kommen pers\u00f6nliche Begegnungen hinzu sowie biographische Bezugspunkte durch seinen Gro\u00dfvater und seine Mutter. Seit seinen ersten Besuchen 1981 in der Mauerstadt ist Berlin bis heute ein Sehnsuchtsort f\u00fcr ihn.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler verschiedener Epochen war Berlin mit seinen Widerspr\u00fcchen zwischen \u00e4u\u00dferer Erscheinung und innerer Verfa\u00dftheit seit jeher anregend: Hans Baluschek, Max Beckmann, Lovis Corinth, Eduard Gaertner, Werner Heldt, Karl Hofer, Ernst Ludwig Kirchner, Adolph Menzel, Lesser Ury, aber auch Rainer Fetting, Karl Horst H\u00f6dicke oder Wolf Vostell sahen ihre Stadt als Inspirationsquelle. Sch\u00fcler n\u00e4hert sich dem Berlin-Thema in seiner charakteristischen k\u00fchlen, reduzierten Malweise.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Reihe beginnt mit einem Bild der zerst\u00f6rten Stadt: \u201eBerlin: Mai 1945\u201c. Das gro\u00dfe Querformat lenkt den Blick auf menschenleere H\u00e4userruinen und Tr\u00fcmmerberge nach den Bombenangriffen. Das andere gro\u00dfe Querformat der Ausstellung, \u201eBerlin: Transit BRD\u201c, zeigt die Autobahn Richtung Berlin, Hauptstadt der DDR. Die eigens ausgeschilderte Transitstrecke durch die DDR hat sich in das allge\u00admei\u00adne Bildged\u00e4chtnis eingeschrieben. Dies gilt auch f\u00fcr das Motiv \u201eBerlin: Sportpalast\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00fcbrigen Gem\u00e4lde der auf insgesamt zwanzig Bilder angelegten Reihe zeigen Berliner Orte wie Hauseing\u00e4nge, Hinterh\u00f6fe oder S-Bahnh\u00f6fe, die \u00fcber ihre Identifizierbarkeit als typische Berliner Orte hinaus f\u00fcr Jan Sch\u00fcler auch eine biographische Bedeutung haben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBerlin: Gro\u00dfg\u00f6rschenstra\u00dfe 35\u201c zeigt die Vorderfront des Geb\u00e4udes, in dessen Hinterhof von 1964 bis 1968 die erste Produzentengalerie Deutschlands ihr Domizil hatte. Dieses Bild ist ein Schl\u00fcsselwerk der Reihe. Sch\u00fclers Mutter war in den f\u00fcnfziger Jahren die Freundin von Peter Sorge (1937-2000), einem Gr\u00fcndungsmitglied der K\u00fcnstlerselbsthilfe\u00adgalerie <em>Gro\u00dfg\u00f6rschen 35. <\/em>Nach deren Aufl\u00f6\u00adsung wurde im Jahr 1968 die Galerie Poll gegr\u00fcndet. Peter Sorge geh\u00f6rt bis heute zu deren Stammk\u00fcnstlern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Szenerie der sieben bisher entstandenen Gem\u00e4lde der Berlin-Reihe bleibt menschenleer. Ab und an erg\u00e4nzen Plakate mit maskenhaften l\u00e4chelnden oder weinenden Antlitzen die Architektur\u00adan\u00adsichten. Ob auch Berliner Pers\u00f6nlichkeiten in der Reihe auftauchen werden, ist abzuwarten. Das Bild \u201eSignale (Eva Poll)\u201c aus dem Jahr 2011, das in die aktuelle Ausstellung der Berlin-Bilder aufgenommen wurde, k\u00f6nnte darauf hindeuten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jan Sch\u00fcler,<\/strong> geboren 1963 in Gie\u00dfen, studierte von 1985 bis 1993 an der Kunstakademie D\u00fcsseldorf bei Rissa und war Meistersch\u00fcler bei Fritz Schwegler. 1996 erhielt er den F\u00f6rderpreis f\u00fcr Bildende Kunst der Stadt D\u00fcsseldorf, wo er bis heute lebt und arbeitet. Seine Werke befinden sich in zahlreichen \u00f6ffentlichen und privaten Sammlungen in Deutschland. Jan Sch\u00fcler hat gemeinsam mit der Kunststiftung Poll, in deren Beirat er seit 2013 Mitglied ist, das erste Bestandsver\u00adzeich\u00adnis der Gem\u00e4lde und Zeichnungen von Maina-Miriam Munsky (1943-1999) herausgegeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Figuren- und Landschaftsbildern stellt die Galerie Poll in ihrer dritten Einzelausstellung von Jan Sch\u00fcler seine neue, seit 2017 entstehende Reihe der Berlin-Bilder vor. 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