{"id":29550,"date":"2023-01-21T17:42:44","date_gmt":"2023-01-21T16:42:44","guid":{"rendered":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/archiv\/information\/"},"modified":"2025-03-25T16:14:25","modified_gmt":"2025-03-25T15:14:25","slug":"information","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/archiv\/pop-politikalbert-baehr-wintersberger19-januar-2-maerz-2019\/information\/","title":{"rendered":"Information"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Kunstdiskurs in West-Berlin war Ende der sechziger Jahre durch die amerikanische Hard Edge-Malerei, die Minimal Art und die Pop Art bestimmt. In ihrer Auseinander\u00adsetzung mit politischen und gesellschaftlichen Themen kn\u00fcpften einige K\u00fcnstler zur gleichen Zeit an die Werke eines John Heartfield oder George Segal an: Hermann Albert (*1937), Ulrich Baehr (*1938) und Lambert Maria Wintersberger (1941-2013) brachten diese kritische Tradition mit Elementen der damals aktuellen Pop Art zusammen. <em>Pop &amp; Politik<\/em> zeichnet diesen Prozess mit Arbeiten der sechziger Jahre nach. <\/p>\n\n\n\n<p>Charakteristisch f\u00fcr die fr\u00fchen Bilder von Hermann Albert (*1937) ist eine fl\u00e4chig betonte, stark farbige Figuration. Albert malt Frauen in verschiedenen Bewegungsphasen: Sie kleiden sich an oder aus, bewegen sich von hier nach dort, b\u00fccken sich oder richten sich auf. \u201eIn einer Welt des Gew\u00f6hnlichen versuche ich nichts anderes, als etwas Gew\u00f6hnliches zu zeigen.\u201c (Hermann Albert)<\/p>\n\n\n\n<p>In nebeneinandergereihten Bildtafeln ver\u00e4ndert sich die Haltung der Figur nur minimal oder die Szenerie ist vor glattem, monochromem Hintergrund auf einer einzigen Bildtafel auf mehrere kleinere Fl\u00e4chenabschnitte komprimiert. Alberts \u201eFrauen\u201c, \u201ePosen\u201c und \u201eMomente\u201c sind in k\u00fchlen, leuchtenden Acrylfarben gemalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ulrich Baehrs sogenannte Historienbilder mit Titeln wie \u201eFries f\u00fcr Liebhaber\u201c<em> <\/em>(1965), \u201eSportpalast\u201c (1966), \u201eStalin\u201c (1966), \u201eLe Gen\u00e9ral\u201c (1966) oder \u201eNeon Mao\u201c (1968) entstanden zwischen 1964 und 1968. Baehr f\u00fchrt die Diktatoren, Politiker und Machthaber auf seinen Bildern vor als \u201en\u00fcchtern distanzierte \u201aNegative\u2018 der \u00fcberlieferten und kolportierten Physiognomien und Rituale deutscher Macht und Herrlichkeit. [\u2026] Der heftige Pinselgestus zerfetzt die wohleinstudierte Pose zur L\u00e4cherlichkeit, reduziert den Pomp der Inszenierung zur d\u00fcrftigen Staffage\u201c. (Eckhart\u00a0 Gillen). Fotos aus Zeitungen und Illustrierten dienen ihm als Quelle, nicht aber als direkte Bildvorlage. Er l\u00f6scht Gesichts- und K\u00f6rperpartien, zieht R\u00e4ume und K\u00f6rper zusammen und charakterisiert die derart \u201ereduzierte\u201c Prominenz durch Mimik oder Gestik. Von den matten, tonigen Leimfarben wechselt Baehr sp\u00e4ter zu leuchtenden, grellen Acrylfarben. Exemplarisch steht f\u00fcr diese Entwicklung das Gem\u00e4lde \u201eNeon Mao\u201c (1968). Der K\u00fcnstler schenkte es k\u00fcrzlich der Kunststiftung Poll f\u00fcr ihre Sammlung.<\/p>\n\n\n\n<p>Lambert Maria Wintersberger, vom Kunstkritiker Heinz Ohff zum \u201eoriginellsten Pop-Artisten Deutschlands\u201c bef\u00f6rdert, gr\u00fcndete 1964 zusammen mit Ulrich Baehr, K.H. H\u00f6dicke, Markus L\u00fcpertz, Wolfgang Petrick, Peter Sorge und anderen Malern in West-Berlin die legend\u00e4re Produzentengalerie Gro\u00dfg\u00f6rschen 35 (1964-68). In ihr fanden K\u00fcnstler in ihrer Abwendung vom Informel und Tachismus im gemeinsamen Streben nach Gegenst\u00e4ndlichkeit in der Malerei zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fragmentierung der Figur und dadurch gewonnene, neue \u201eEin-Sichten\u201c sind charakteristisch f\u00fcr Wintersbergers Blick auf die westliche Konsumgesellschaft. In einem glatten, konturfixierten Stil verfremdet er die Welt der Reklame mit \u00fcberdimensionierten Fingern und Fingern\u00e4geln sowie riesigen M\u00fcndern in tonalen, s\u00fc\u00dflichen Farben. Es folgen die formatf\u00fcllenden \u201eSprengungen\u201c, \u201eSpaltungen\u201c und \u201eFesselungen\u201c<em> <\/em>einzelner K\u00f6rperteile in unterk\u00fchlten Graut\u00f6nen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die bis zum 2. M\u00e4rz verl\u00e4ngerte Ausstellung \u201eDie 60er &amp; 70er Jahre in Berlin: Albert, Kraemer, Lange, Petrick, Sorge. Werke aus der Sammlung der Kunststiftung Poll\u201c<strong><em> <\/em><\/strong>in<strong> <\/strong>der Kunststiftung Poll (Gipsstra\u00dfe 3, 2. Etage, nach Vereinbarung) bietet weitere Einblicke in die Kunstszene jener Jahre in West-Berlin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kunstdiskurs in West-Berlin war Ende der sechziger Jahre durch die amerikanische Hard Edge-Malerei, die Minimal Art und die Pop Art bestimmt. 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