{"id":29501,"date":"2023-01-21T14:44:27","date_gmt":"2023-01-21T13:44:27","guid":{"rendered":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/archiv\/jenoe-gindl-neue-arbeiten26-april-8-juni-2019\/information\/"},"modified":"2023-01-21T14:46:06","modified_gmt":"2023-01-21T13:46:06","slug":"information","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/archiv\/jenoe-gindl-neue-arbeiten26-april-8-juni-2019\/information\/","title":{"rendered":"Information"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Zentrum der dritten Einzelausstellung von Jen\u00f6 Gindl in der Galerie Poll steht eine 2018 entstandene Folge von Schwarz-Wei\u00df-Arbeiten: Fotografien in der Technik der Kallitypie zeigen u.a. ein umgekipptes Glas, einen hochhackigen Damenstiefel, eine Telefonbox an einer H\u00e4userwand oder eine Palme am Stra\u00dfenrand, alle aufkaschiert auf transparentem Japanpapier, hinter dem der Keilrahmen als Kreuz durchschimmert.<\/p>\n\n\n\n<p>Kombiniert sind diese Motive mit Objektschildern bzw. Bildlegenden, wie man sie aus Ausstellungen oder Katalogen kennt: Titel, Entstehungsjahr, Ma\u00dfe und Herkunft des Kunstwerks sind vermerkt. Beide Elemente zusammen sind als \u201eein Bild\u201c wahrzunehmen, das keine vertraute Realit\u00e4t entstehen l\u00e4sst, sondern den Betrachter mit Fragen konfrontiert. Geh\u00f6ren die Informationen auf den Objektschildern zu den dar\u00fcber gezeigten Motiven? Welche Bedeutung haben die dort angegebenen Titel und Provenienzen? Weshalb wird die Konstruktion des Rahmens gezeigt? Jen\u00f6 Gindl nennt diese Serie \u201eAmericans\u201c. Dies k\u00f6nnte als Referenz an den ber\u00fchmten Schweizer Fotografen Robert Frank gelesen werden, der in den f\u00fcnfziger Jahren ein Guggenheim-Stipendium genutzt hatte, um die USA zu durchqueren und das Land in der Provinz, hinter den Hochglanzkulissen, zu erkunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Seinen transparenten Tafeln stellt Gindl in der Ausstellung als Umkehrung wei\u00dfe, blickdichte Leinw\u00e4nde gegen\u00fcber. Grob gerasterte Frauenportr\u00e4ts, durch wei\u00dfe Streifen \u00fcber einzelne Gesichtspartien anonymisiert und kombiniert mit Hashtags, wie sie in den sozialen Medien \u00fcblich sind: #girl, #immigrant; #gun, #fashion oder #terrorist. Bilder von Frauen sind mit Schlagworten der asymmetrischen Kriegsf\u00fchrung versehen: \u201eBadly armed Enemy\u201c, \u201eHostage\u201c oder \u201eTarget\u201c. In der Serie \u201eOracle\u201c wird ein Frauenportr\u00e4t viermal auf einer Leinwand montiert. Die Portr\u00e4ts weichen durch kleine Eingriffe minimal voneinander ab und spielen so mit dem Mythos der Fotografie als \u201eauthentischem\u201c Bild.<\/p>\n\n\n\n<p>Jen\u00f6 Gindl sch\u00f6pft f\u00fcr seine Arbeiten aus einem gro\u00dfen Fundus eigener Fotografien, nutzt aber ebenso Fremdmaterial, wie z.B. Filmstills. Alle ausgestellten Arbeiten besch\u00e4ftigen sich mit der menschlichen Wahrnehmung, so auch die gro\u00dfformatige Palladiotypie \u201eTwins\u201c (2015) mit dem Doppelbild von zwei Augenpaaren. Sie haben alles im Blick.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jen\u00f6 Gindl,<\/strong> geboren 1962 in G\u00f6ttingen, studierte Kunstgeschichte und Geschichte an der Freien Universit\u00e4t Berlin, bevor er an der Hochschule der K\u00fcnste Berlin ein Kunststudium absolvierte, das er 1992 als Meistersch\u00fcler von Wolfgang Petrick abschloss. Schon w\u00e4hrend des Studiums begann 1989 seine Zusammenarbeit mit dem G\u00f6ttinger Steidl-Verlag f\u00fcr besondere Buchprojekte in einer hierf\u00fcr von ihm eingerichteten Lithographie-Werkstatt. Seit 1994 betreibt Jen\u00f6 Gindl in Berlin ein Studio f\u00fcr Fotografie mit dem Schwerpunkt auf fotografischen Edeldruckverfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Ausstellung erscheint eine Edition.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zentrum der dritten Einzelausstellung von Jen\u00f6 Gindl in der Galerie Poll steht eine 2018 entstandene Folge von Schwarz-Wei\u00df-Arbeiten: Fotografien in der Technik der Kallitypie zeigen u.a. ein umgekipptes Glas, einen hochhackigen Damenstiefel, eine Telefonbox an einer H\u00e4userwand oder eine Palme am Stra\u00dfenrand, alle aufkaschiert auf transparentem Japanpapier, hinter dem der Keilrahmen als Kreuz durchschimmert. 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