{"id":2711,"date":"2021-07-29T12:31:57","date_gmt":"2021-07-29T10:31:42","guid":{"rendered":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/archiv\/testaustellung\/information\/"},"modified":"2025-03-12T15:51:33","modified_gmt":"2025-03-12T14:51:33","slug":"information","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/archiv\/testaustellung\/information\/","title":{"rendered":"Information"},"content":{"rendered":"\n<p>Unter dem Titel <em>BETON. Neue Bilder zum Arbeiter <\/em>zeigt die Galerie Poll Bilder und Zeichnungen zum Typus des Arbeiters von Ralf Kerbach aus&nbsp;den&nbsp;Jahren 2018 bis&nbsp;2020. Erg\u00e4nzt wird die Ausstellung durch einige fr\u00fchere Arbeiten des K\u00fcnstlers. Kerbach setzt sich darin mit der existentiellen Situation des arbeitenden Menschen auseinander. Vor dem Hintergrund seiner Herkunft aus der DDR und in der Auseinandersetzung mit der Doktrin des Sozialistischen Realismus analysiert der K\u00fcnstler die Ver\u00e4nderungen der Arbeitswelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausl\u00f6ser f\u00fcr das Thema der neuen Bilderserie ist die vor drei Jahren begonnene denkmalgerechte Sanierung eines alten Bauernhauses, die den K\u00fcnstler und Professor f\u00fcr Malerei und Grafik schwere, k\u00f6rperliche Arbeit auf einer Baustelle erfahren lie\u00df und mit neuen Baumaterialien und Arbeitsmethoden konfrontierte. \u201eDas hat mich wieder mit einer Wirklichkeit in Verbindung gebracht, die ich als Hochschullehrer so nicht mehr hatte. Und hat dadurch Bilder freigesetzt, von denen ich sage: Die musst du malen\u201c, erl\u00e4utert der Maler im Katalog.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf zumeist gro\u00dfformatigen Leinw\u00e4nden stellt Kerbach Arbeiter in einer skizzenhaften, offenen und auf wenige Farbt\u00f6ne reduzierten Malweise dar: Sein <em>Abbrucharbeiter <\/em>(2020), ein Mann im Overall vor leuchtend rotem Grund, kommt mit einer Schubkarre auf uns zu, sein <em>Freier Maurer <\/em>(2019), ein Mann mit blo\u00dfem muskul\u00f6sen Oberk\u00f6rper, tr\u00e4gt in der einen Hand die Maurerkelle und in der anderen den Eimer mit M\u00f6rtel. Die Automatisierungsprozesse der Arbeitswelt betrachtet der Maler sarkastisch: Die Arbeiter auf <em>Beton I <\/em>und <em>Beton II <\/em>(2020) drohen sich selbst einzubetonieren, der <em>Rohrleger <\/em>(2019) hat sich zur Steigerung der Arbeitsleistung einzelne Rohrteile so \u00fcber den rechten Arm gest\u00fclpt, dass er zur mechanischen Gliederpuppe wird und auf dem Bild <em>Typ Styropor <\/em>(2020) verschwindet der Mensch g\u00e4nzlich hinter dem auf dem Bau vielfach als D\u00e4mmstoff verwendeten Material.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie neuen Bilder von Ralf Kerbach sind eine Momentaufnahme, die Auskunft gibt dar\u00fcber, wo er heute mit seiner Kunst angekommen ist und wohin ihn das Zeichnen und Malen in den letzten vier Jahrzehnten gef\u00fchrt hat. Wenn Adorno recht hat und nicht der K\u00fcnstler sein Werk, sondern das Werk den K\u00fcnstler erkl\u00e4rt, dann lohnt es sich, diese Bilder zum Typus des Arbeiters, (\u2026), in ihrer Formensprache und im Gestus der Figuren als pr\u00e4zise Bildzeichen zu lesen, die etwas mitteilen \u00fcber sein momentanes Selbstverst\u00e4ndnis und seine Kunstpraxis heute. Denn&nbsp;von&nbsp;Anfang&nbsp;an&nbsp;war&nbsp;f\u00fcr ihn&nbsp;die&nbsp;Kunst&nbsp;ein Lebensmittel,&nbsp;ein&nbsp;permanenter Versuch, sich durch die Formulierung immer neuer Bildzeichen als Denkchiffren seiner Existenz&nbsp;zu&nbsp;versichern, sich&nbsp;selbst&nbsp;zu beobachten&nbsp;und&nbsp;zu&nbsp;verstehen in der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit\u201c, res\u00fcmiert Eckhart J. Gillen in seinem Katalogbeitrag.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ralf Kerbach, <\/strong>geboren 1956 in Dresden, studierte von 1977 bis 1979 an der Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste seiner Geburtsstadt bei Prof. Gerhard Kettner, bis man ihn zur Exmatrikulation dr\u00e4ngte. Daraufhin siedelte er 1982 nach West-Berlin \u00fcber. 1986\/87 erhielt er ein Stipendium in Olevano und verbrachte ein Jahr sp\u00e4ter l\u00e4ngere Zeit in Paris. Bis 1990 lebte&nbsp;und&nbsp;arbeitete er&nbsp;in&nbsp;Valqui\u00e8res&nbsp;bei&nbsp;Montpellier. 1991 reiste&nbsp;er&nbsp;als&nbsp;Stipendiat&nbsp;der Deutsch-Brasilianischen Sommerakademie nach Jo\u00e3o Pessoa\/Para\u00edba, Brasilien. Seit 1992 ist er Professor f\u00fcr Malerei und Grafik an der Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste Dresden. Ralf Kerbach lebt und arbeitet bei Dresden. Seine Werke befinden sich in wichtigen privaten und \u00f6ffentlichen Sammlungen, unter anderen in der Berlinischen Galerie, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, im Museum der bildenden K\u00fcnste Leipzig und im Museum Barberini Potsdam.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Titel BETON. Neue Bilder zum Arbeiter zeigt die Galerie Poll Bilder und Zeichnungen zum Typus des Arbeiters von Ralf Kerbach aus&nbsp;den&nbsp;Jahren 2018 bis&nbsp;2020. Erg\u00e4nzt wird die Ausstellung durch einige fr\u00fchere Arbeiten des K\u00fcnstlers. Kerbach setzt sich darin mit der existentiellen Situation des arbeitenden Menschen auseinander. 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