{"id":2262,"date":"2021-07-26T10:57:50","date_gmt":"2021-07-26T08:57:50","guid":{"rendered":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/?page_id=2262"},"modified":"2025-03-12T13:46:33","modified_gmt":"2025-03-12T12:46:33","slug":"information","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/ausstellungen\/archiv\/graviditaet\/information\/","title":{"rendered":"Information"},"content":{"rendered":"\n<p>50 Jahre nach der ersten Einzelausstellung von Maina-Miriam Munsky im Jahr 1971 zeigt die Galerie Poll mit <em>Gravidit\u00e4t<\/em> erstmals das in den 1960er Jahren entstandene Fr\u00fchwerk der K\u00fcnstlerin. Ihre damals noch surreal anmutenden Bilder und Zeichnungen des weiblichen K\u00f6rpers kreisen bereits um Sujets wie Fruchtbarkeit, Schwangerschaft und Geburt. Erst in den 1970er Jahren findet Munsky zu ihrem an der Neuen Sachlichkeit geschulten, hyper\u001frealistischen Stil, mit dem die seither von der Galerie vertretene K\u00fcnstlerin bekannt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Charakteristisch f\u00fcr die fr\u00fchen Bilder ist die Zusammenf\u00fcgung des Motivs aus zwei Leinw\u00e4nden, die durch horizontale oder vertikale, wei\u00dfe oder schwarze Holzleisten in Rahmen\u001fst\u00e4rke voneinander getrennt werden. Die meist mit rosafarbenem Kunstharz gemalten F\u00f6ten wirken wie Ornamente (<em>Tube<\/em>, <em>Zwei K\u00e4sten<\/em>,<em> Fertilit\u00e4t<\/em>,<em> Gravidit\u00e4t<\/em>,<em> Embryos<\/em>,<em> Geburt II + IV, <\/em>alle 1967). Auch die fr\u00fchen Bleistift-Zeichnungen (<em>ohne Titel<\/em>, alle 1968) zeigen Studien von F\u00f6ten im Mutterleib und sind wie die Gem\u00e4lde aus mehreren Bildfenstern aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Grenzbalken dienten der Abschirmung vor allzu gro\u00dfer Direktheit, die Leiber, teigig flie\u00dfend und ohne feste Konturen, erinnerten an Pflanzenhaftes, an pr\u00e4existenzielle Zust\u00e4nde. Es war dies, auf die Gesamtentwicklung Munskys betrachtet, selbst eine keimhafte Phase ihrer Arbeit\u201c, schreibt Lucie Schauer 1976 im Katalog zur Ausstellung der K\u00fcnstlerin im M\u00e4rkischen Museum der Stadt Witten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Faszination f\u00fcr Embryonen in Spiritusbeh\u00e4ltern, denen Munsky 1967 bei einem Besuch der naturwissenschaftlichen Abteilung des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt begeg\u001fnet war, gab den Ansto\u00df zur k\u00fcnstlerischen Besch\u00e4ftigung mit dem Thema der Schwanger\u001fschaft: Die mit perspektivischen Linien dargestellten Glasgef\u00e4\u00dfe gliedern die Bilder in nahezu konstruktivistischer Manier, w\u00e4hrend die F\u00f6ten in eher flie\u00dfenden, weichen Formen umgesetzt wurden und so einen motivischen Kontrast zu den Beh\u00e4ltern bilden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab 1968\/69 wendet sich die K\u00fcnstlerin dem Vorgang der Geburt direkt zu. Der Augenblick der Entbindung wird realistisch, aber noch in einem weich und diffus flie\u00dfenden, malerischen Duktus der Pinself\u00fchrung geschildert (<em>Kind<\/em>, <em>Zangen I + II, <\/em>alle 1968). Ab 1970 entstehen die ersten Bilder der K\u00fcnstlerin, f\u00fcr die eigenh\u00e4ndig aufgenommene Fotografien aus einem Berliner Krankenhaus als Vorlage dienten. \u201eMaina-Miriam Munsky ging mit wei\u00dfem Kittel und Kamera in den Krei\u00dfsaal, unbeobachtet, doch selbst haarscharf beobachtend. Die Fotos sind der realistische Rohstoff f\u00fcr \u00d6lbilder und Radierungen. Die bildnerische Realisation jedoch \u00fcberschreitet die Fotos bei weitem. Das liegt nicht allein an der \u00dcbersteigerung der Farben, sondern auch am Bildausschnitt, am Blickwinkel\u201c, konstatiert Lucie Schauer 1971 in ihrer Ausstellungsbesprechung in der <em>Welt<\/em>. Schwangerschaft, Geburt und klinische Eingriffe in den menschlichen K\u00f6rper bleiben bis zu ihrem Tod zentrale Bildthemen der K\u00fcnstlerin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Maina-Miriam Munsky,<\/strong> 1943 in Wolfenb\u00fcttel geboren und 1999 in Berlin gestorben, studierte an der Staatlichen Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste in Braunschweig, an der Accademia di belle Arti in Florenz und an der Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste in Berlin, wo sie ihr Studium 1970 als Meistersch\u00fclerin bei den Professoren Alexander Camaro und Hermann Bachmann abschloss. 1968 fand ihre erste Einzelausstellung in der K\u00fcnstlergalerie <em>Gro\u00dfg\u00f6rschen 35<\/em> in Berlin statt. Munsky z\u00e4hlt zu den Gr\u00fcndungsmit\u001fgliedern der <em>Gruppe Aspekt <\/em>(1972-1978). Von 1982 bis 1984 hatte die Malerin eine Gastprofessur an der HBK Braunschweig inne. 1984 erhielt sie den Kunstpreis des Landes Niedersachsen. Ihre Arbeiten befinden sich in wichtigen Sammlungen, darunter das Museum of Modern Art, New York; die Berlinische Galerie \u2013 Landesmuseum f\u00fcr Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, Berlin; das Museum Kunstpalast, D\u00fcsseldorf; das St\u00e4del Museum, Frankfurt am Main sowie die Kunstsammlung der Bundesrepublik Deutschland. Munsky war mit dem Zeichner und Grafiker Peter Sorge (1937-2000) verheiratet. 1972 wurde der Sohn Daniel Ben geboren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausstellung wurde gef\u00f6rdert durch:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"59\" src=\"https:\/\/poll-berlin.de\/galerie\/wp-content\/uploads\/Logo_Neustart_300.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3515\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>50 Jahre nach der ersten Einzelausstellung von Maina-Miriam Munsky im Jahr 1971 zeigt die Galerie Poll mit Gravidit\u00e4t erstmals das in den 1960er Jahren entstandene Fr\u00fchwerk der K\u00fcnstlerin. Ihre damals noch surreal anmutenden Bilder und Zeichnungen des weiblichen K\u00f6rpers kreisen bereits um Sujets wie Fruchtbarkeit, Schwangerschaft und Geburt. 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