{"id":1647,"date":"2025-08-03T19:58:58","date_gmt":"2025-08-03T17:58:58","guid":{"rendered":"https:\/\/poll-berlin.de\/Stiftung\/ausstellung\/le-ciel-est-triste-et-beau\/"},"modified":"2025-08-03T21:44:54","modified_gmt":"2025-08-03T19:44:54","slug":"le-ciel-est-triste-et-beau","status":"publish","type":"ausstellung","link":"https:\/\/poll-berlin.de\/Stiftung\/ausstellung\/le-ciel-est-triste-et-beau\/","title":{"rendered":"Le ciel est triste et beau"},"content":{"rendered":"<h5>Er\u00f6ffnung: Freitag, 4. Dezember, 18-21 Uhr<\/h5>\n<p>Anl\u00e4sslich des 120. Geburtstages von Jenny Wiegmann-Mucchi (1895-1969) zeigt die Galerie der Kunststiftung Poll erstmals eine \u00dcberblicksausstellung mit Skulpturen und Zeichnungen aus allen Schaffensphasen der K\u00fcnstlerin. Der realistischen Tradition deutscher Bildhauerei verbunden, ist ihr Werk von karger Verhaltenheit und stiller Nachdr\u00fccklichkeit \u2013 ein \u201eRealismus der verhaltenen Nuance\u201c, wie es Diether Schmidt 1970 anl\u00e4sslich der Retrospektive in der Berliner Nationalgalerie treffend formulierte. Erg\u00e4nzend werden Fotografien sowie zwei \u00d6lgem\u00e4lde des italienischen Malers, Grafikers und Architekten Gabriele Mucchi (1899-2002) ausgestellt.<\/p>\n<p><!--more-->Im Mittelpunkt befindet sich ein liegender M\u00e4dchenakt aus Bronze, der 1937 auf der Weltausstellung in Paris mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Sein Titel Le ciel est triste et beau referiert dabei auf ein wiederkehrendes Motiv des Gedichtes Harmonie du Soir von Baudelaire, dessen Grundstimmung von Melancholie durchdrungen ist. Zum Zeitpunkt der Entstehung der Bronzeskulptur im Jahr 1935 befand sich Jenny Wiegmann-Mucchi bereits in ihrer Wahlheimat Italien, hatte ihren K\u00fcnstlernamen Genni angenommen und aufgrund der politischen Ereignisse zu einem Stil gefunden, der am besten durch rationale, weniger idealisierende Fig\u00fcrlichkeit charakterisiert werden kann.<\/p>\n<p>Ihr Fr\u00fchwerk ist noch von den urspr\u00fcnglich-einfachen Formen griechisch-archaischer Kunst gepr\u00e4gt. Die Figuren sind von einer spr\u00f6den Anmut, den Gesichtern fehlt jedoch das geheimnisvolle L\u00e4cheln der antiken Statuen. In Folge der Begegnung mit dem Bildhauer Ernesto de Fiori 1929 l\u00f6ste sich Genni allm\u00e4hlich von der Strenge der Formen, allerdings ohne dieses Prinzip jemals ganz aufzugeben. In den drei\u00dfiger Jahren begann die Bildhauerin ihre Kunst mit realistischen Elementen anzureichern. Der Exil-Aufenthalt in Paris trug entscheidend zur k\u00fcnstlerischen Entwicklung Wiegmann-Mucchis bei. Sie verlie\u00df die Archaismen und begann, sich zunehmend mit den Problemen der Gegenwart zu besch\u00e4ftigen. Leider sind aus der Zeit nach ihrer \u00dcbersiedlung nach Italien nur wenige Arbeiten erhalten, da das Mail\u00e4nder Atelier im August 1943 durch Bomben vernichtet wurde. Von einigen der zerst\u00f6rten Skulpturen gibt es Fotografien Gabriele Mucchis, die in der Ausstellung gezeigt werden.<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg widmete sich die Bildhauerin vornehmlich politischen Themen wie dem algerischen Befreiungskrieg (Verh\u00f6r in Algerien, 1959), dem Vietnamkrieg (Der Schrei, 1967) oder dem kongolesischen Unabh\u00e4ngigkeitskampf (Lumumba, 1961). Die W\u00fcrde der Dargestellten bleibt selbst in ihrer tiefsten Pein ungebrochen. Genni erkennt den Menschen als Mitmenschen. Dies machen auch ihre zahlreichen K\u00f6pfe und B\u00fcsten sichtbar, denen sie kein Schema k\u00fcnstlerischer Abstraktion \u00fcberstreift, sondern sie zu konzentrierten Pers\u00f6nlichkeitsbildern werden l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die Skulptur Verh\u00f6r in Algerien steht im Hof von Galerie Poll und Kunststiftung Poll; die Plastik Lumumba wurde 2013 von der Kunststiftung im Rahmen des Vorhabens Berliner Bildhauerinnen auf dem Garnisonkirchplatz aufgestellt.<\/p>\n<p>Vita<\/p>\n<p>Jenny Wiegmann-Mucchi wurde 1895 in Berlin-Spandau geboren. Ab 1914 studierte sie Kunst, zun\u00e4chst in den Studienateliers der Lewin-Funcke-Schule bei Lovis Corinth und August Kraus, einem Sch\u00fcler von Reinhold Begas. Ihre Vorbilder sind Barlach und Lehmbruck. Ab 1919 besuchte sie die Kunstgewerbeschule in Charlottenburg, wo sie im Sch\u00fclerkreis Hans Perathoners ihren ersten Mann Berthold M\u00fcller-Oerlinghausen kennenlernte, mit dem sie nach ihrer Heirat 1920 an der Ausstattung sakraler R\u00e4ume arbeitete. Die Bildhauerin bereiste Italien und Spanien, lebte einige Jahre in Paris. 1933 heiratete sie den Maler Gabriele Mucchi und zog im Jahr darauf nach Mailand, wo sie von Freunden schlichtweg Genni genannt wurde. Von 1943 bis 1945 k\u00e4mpfte die Bildhauerin als Staffetta im italienischen Widerstand gegen den Faschismus. Aufgrund eines Lehrauftrages ihres Ehemannes an der Kunsthochschule Berlin-Wei\u00dfensee teilte sie ihre Arbeit ab 1956 zwischen der DDR-Hauptstadt und Mailand. Ihr Werk wurde durch \u00f6ffentliche Auftr\u00e4ge und Ausstellungen einer zunehmend breiteren \u00d6ffentlichkeit bekannt. Im Jahr 1969 starb sie mit 74 Jahren in Berlin-Buch.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/poll-berlin.de\/Stiftung\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/\u00dcbersicht-Skulpturen-\u00f6ffentlicher-Raum_Wiegmann-Mucchi2.pdf\" target=\"_blank\">\u00dcbersicht der Skulpturen im \u00f6ffentlichen Raum in Berlin und Umgebung<\/a><\/p>\n<p>Zur Ausstellung ist ein <a title=\"Faltblatt Genni \/ Jenny Wiegmann-Mucchi\" href=\"https:\/\/poll-berlin.de\/Stiftung\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Faltblatt-zur-Ausstellung-Genni_Jenny-Wiegmann-Mucchi-und-Gabriele-Mucchi1.pdf\" target=\"_blank\">Faltblatt<\/a> erschienen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1045,"parent":0,"menu_order":0,"template":"","class_list":["post-1647","ausstellung","type-ausstellung","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/poll-berlin.de\/Stiftung\/wp-json\/wp\/v2\/ausstellung\/1647","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/poll-berlin.de\/Stiftung\/wp-json\/wp\/v2\/ausstellung"}],"about":[{"href":"https:\/\/poll-berlin.de\/Stiftung\/wp-json\/wp\/v2\/types\/ausstellung"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/poll-berlin.de\/Stiftung\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/poll-berlin.de\/Stiftung\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1045"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/poll-berlin.de\/Stiftung\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1647"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}