Ein Blick in die Sammlung (2)

Ein Blick in die Sammlung (2)
Harald Duwe: Ulrikes Kindheit, 1967-71, Öl auf Leinwand, 150 x 100cm

Herbert Kaufmann, Peter Sorge, Wolfgang Petrick, Harald Duwe und Erhard Wehrmann

Ausstellungsdauer: 11. Februar bis 20. April 2011

Soirée: Sonnabend, 26. Februar, 16 Uhr

Zur Erinnerung an den vor fünf Jahren verstorbenen Kunstkritiker Heinz Ohff, mit einer Lesung von Ekhard Haack

Die Ausstellung gewährt einen kleinen Einblick in die Sammlung der Kunststiftung. Sie widmet sich unterschiedlichen Positionen der realistischen Strömungen der 1950er bis 1970er Jahre und dem fotografischen Werk des Künstlerfotografen Erhard Wehrmann.

Die Werke entstehen aus der Beobachtung der sichtbaren Wirklichkeit und werden zu Zeichen und visuellen Dokumenten ihrer Zeit und ihrer Gesellschaft. Kunst wird zum kritischen Organ der Wahrnehmung von Wirklichkeit und zeigt sich hier in Form einer grundlegenden Skepsis gegenüber kulturellem Überfluss und der Entfremdungstendenzen der Konsumkultur.

Herbert Kaufmann (*1924), Vertreter des Nouveau Realisme, schöpft sein Bildmaterial aus der Werbe- und Medienwelt. Seine Bilder repräsentieren im weiten Begriffsfeld des Realismus eine eigene und unverwechselbare Position. Bei Kaufmann wir die Collage zur „visuellen Reportage”. Die Welt der Kommunikation in Serienproduktion ist der Ausgangspunkt, die Collage als künstlerisches Prinzip ist der Gegenstand der Auseinandersetzung.

Der Maler und Grafiker Peter Sorge (1937-2000) sorgt mit seinem kritischen Blick auf die Wirklichkeit für kontrastreiche Einblicke in die uns umgebende Bilderflut. Zentrales Motiv ist dabei die Gewalt. Rohstoffe seiner Kunst sind Fundstücke aus den Printmedien: Durch Kombination und Veränderung des vorgefundenen Bildmaterials aus der historischen oder aktuell politischen Wirklichkeit, kritisiert Sorge die Massenmedien und das Verhalten der Gesellschaft hierzu und dokumentiert sie zugleich.

Der Maler, Grafiker und Bildhauer Wolfgang Petrick (*1939) ist neben Peter Sorge Gründungsmitglied der ersten Produzentengalerie in Deutschland: „Großgörschen 35″, dem Ort, von wo aus der Kritische Realismus Westberlins hervorgegangen ist. In seinen Gemälden und Assemblagen zeichnet er Zerrbilder des verletzten Menschen und seiner Verdinglichung: so schaut man auf Fratzen der Aggression und des Leidens oder auf Menschen, die mit ihren Gerätschaften verwachsen sind.

Der Maler und Zeichner Harald Duwe (1926-1984) schafft in seinem Werk Alltagsallegorien des gesellschaftlichen Theaters: Kinder streiten sich um den Kuchen, satte Sonntagsmenschen liegen gelangweilt am Strand – der bürgerlichen Gesellschaft und deren naiver Wohlbefindlichkeit wird durch Duwe der Spiegel vorgehalten.

Das fotografische Werk Erhard Wehrmanns (1930-2004) zeigt Künstler im Dialog mit einer eigenen Arbeit. Entstanden in Ateliers, Werkstätten, Vernissagen und Biennalen visualisieren die auf das Wesentliche reduzierten Fotografien die Dreiecksbeziehung von Künstler, Fotograf und Werk.

 

Soirée zur Erinnerung an Heinz Ohff

Vor dem Hintergrund dieser Ausstellung erinnert die Kunststiftung an Heinz Ohff, der mehr als 25 Jahre als Kunstkritiker und Feuilletonchef des Tagesspiegels, Maßstäbe setzend – mittendrin und doch auf Distanz – und als engagierter Begleiter der Künste das Kunstleben in Berlin geprägt hat. Ohffs Kunstkritiken bleiben ein noch zu hebender Schatz in kritikarmer Zeit.

Als Kunstkritiker – seiner eigentlichen Passion – war er Legende, als Buchautor von staunenswerter Vielfältigkeit, als journalistischer Begleiter des Berliner Kulturlebens eine prägende Instanz. (Hermann Rudolph)

In einer Soirée am Sonnabend, den 26. Februar um 16 Uhr, wird in der Galerie der Kunststiftung Poll, Gipsstr.3, der Literaturwissenschaftler Ekhard Haack an den vor 5 Jahren verstorbenen Schriftsteller und Kritiker erinnern und aus dem vor einigen Jahren im InfoPress Verlag erschienenen Almanach „Schreiben für die Kunst” lesen.

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