Transit: Berlin

Transit: Berlin
Berlin: Transit BRD, 2018

Jan Schüler. Neue Arbeiten

10. November 2018 bis 12. Januar 2019
Eröffnung: Freitag, 9. November 2018, 18-21 Uhr

Winterpause: 22. Dezember 2018 bis 1. Januar 2019

Nach Figuren- und Landschaftsbildern stellt die Galerie Poll in ihrer dritten Einzelausstellung von Jan Schüler seine neue, seit 2017 entstehende Reihe der Berlin-Bilder vor. Stammten die bisherigen Bildthemen mit Porträts von Freunden, Pop-Idolen oder Rheinlandschaften aus dem unmittelbaren Lebensbereich von Jan Schüler, hat der Künstler 2016 damit begonnen, in seinen Gemälden die gesellschaftlichen und politischen Umstände, in denen er aufgewachsen ist, zu reflektieren. Hierzu gehörte für den 1963 geborenen Maler zuallererst eine Auseinanderset­zung mit dem Thema Auschwitz in der Reihe „Schwarze Blumen“ (2016/2017). Dieser Reihe folgt nun mit „Berlin“ eine Serie, die sich mit der Stadt von 1945 bis heute auseinander­setzt.

Der Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945, die Teilung der ehemaligen Hauptstadt durch die Mauer 1961 und die Wiedervereinigung 1990 sind historische Bezugspunkte, in jedem Geschichtsbuch wie auch im kollektiven Gedächtnis. Für den Künstler kommen persönliche Begegnungen hinzu sowie biographische Bezugspunkte durch seinen Großvater und seine Mutter. Seit seinen ersten Besuchen 1981 in der Mauerstadt ist Berlin bis heute ein Sehnsuchtsort für ihn.

Für Künstlerinnen und Künstler verschiedener Epochen war Berlin mit seinen Widersprüchen zwischen äußerer Erscheinung und innerer Verfaßtheit seit jeher anregend: Hans Baluschek, Max Beckmann, Lovis Corinth, Eduard Gaertner, Werner Heldt, Karl Hofer, Ernst Ludwig Kirchner, Adolph Menzel, Lesser Ury, aber auch Rainer Fetting, Karl Horst Hödicke oder Wolf Vostell sahen ihre Stadt als Inspirationsquelle. Schüler nähert sich dem Berlin-Thema in seiner charakteristischen kühlen, reduzierten Malweise.

Seine Reihe beginnt mit einem Bild der zerstörten Stadt: „Berlin: Mai 1945“. Das große Querformat lenkt den Blick auf menschenleere Häuserruinen und Trümmerberge nach den Bombenangriffen. Das andere große Querformat der Ausstellung, „Berlin: Transit BRD“, zeigt die Autobahn Richtung Berlin, Hauptstadt der DDR. Die eigens ausgeschilderte Transitstrecke durch die DDR hat sich in das allge­mei­ne Bildgedächtnis eingeschrieben. Dies gilt auch für das Motiv „Berlin: Sportpalast“.

Die übrigen Gemälde der auf insgesamt zwanzig Bilder angelegten Reihe zeigen Berliner Orte wie Hauseingänge, Hinterhöfe oder S-Bahnhöfe, die über ihre Identifizierbarkeit als typische Berliner Orte hinaus für Jan Schüler auch eine biographische Bedeutung haben.

„Berlin: Großgörschenstraße 35“ zeigt die Vorderfront des Gebäudes, in dessen Hinterhof von 1964 bis 1968 die erste Produzentengalerie Deutschlands ihr Domizil hatte. Dieses Bild ist ein Schlüsselwerk der Reihe. Schülers Mutter war in den fünfziger Jahren die Freundin von Peter Sorge (1937-2000), einem Gründungsmitglied der Künstlerselbsthilfe­galerie Großgörschen 35. Nach deren Auflö­sung wurde im Jahr 1968 die Galerie Poll gegründet. Peter Sorge gehört bis heute zu deren Stammkünstlern.

Die Szenerie der sieben bisher entstandenen Gemälde der Berlin-Reihe bleibt menschenleer. Ab und an ergänzen Plakate mit maskenhaften lächelnden oder weinenden Antlitzen die Architektur­an­sichten. Ob auch Berliner Persönlichkeiten in der Reihe auftauchen werden, ist abzuwarten. Das Bild „Signale (Eva Poll)“ aus dem Jahr 2011, das in die aktuelle Ausstellung der Berlin-Bilder aufgenommen wurde, könnte darauf hindeuten.

Jan Schüler, geboren 1963 in Gießen, studierte von 1985 bis 1992 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Rissa und war Meisterschüler bei Fritz Schwegler. 1996 erhielt er den Förderpreis für Bildende Kunst der Stadt Düsseldorf, wo er bis heute lebt und arbeitet. Seine Werke befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen in Deutschland. Jan Schüler hat gemeinsam mit der Kunststiftung Poll, in deren Beirat er seit 2013 Mitglied ist, das erste Bestandsver­zeich­nis der Gemälde und Zeichnungen von Maina-Miriam Munsky (1943-1999) herausgegeben.

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