BETON

BETON
Freier Maurer, 2019

Neue Bilder zum Arbeiter von Ralf Kerbach

Eröffnung: Donnerstag, 3. September 2020, 18-21 Uhr
Künstlergespräch mit Jochen L. Stöckmann auf dem Hof (gegen 19 Uhr)

4. September bis 24. Oktober 2020
11. September 2020: 12-21 Uhr (Friday Night POSITIONS)

Anlässlich der Ausstellung erscheint ein Katalog.

Unter dem Titel BETON. Neue Bilder zum Arbeiter zeigt die Galerie Poll Bilder und Zeichnungen zum Typus des Arbeiters von Ralf Kerbach aus den Jahren 2018 bis 2020. Ergänzt wird die Ausstellung durch einige frühere Arbeiten des Künstlers. Kerbach setzt sich darin mit der existentiellen Situation des arbeitenden Menschen auseinander. Vor dem Hintergrund seiner Herkunft aus der DDR und in der Auseinandersetzung mit der Doktrin des Sozialistischen Realismus analysiert der Künstler die Veränderungen der Arbeitswelt.

Auslöser für das Thema der neuen Bilderserie ist die vor drei Jahren begonnene denkmalgerechte Sanierung eines alten Bauernhauses, die den Künstler und Professor für Malerei und Grafik schwere, körperliche Arbeit auf einer Baustelle erfahren ließ und mit neuen Baumaterialien und Arbeitsmethoden konfrontierte. „Das hat mich wieder mit einer Wirklichkeit in Verbindung gebracht, die ich als Hochschullehrer so nicht mehr hatte. Und hat dadurch Bilder freigesetzt, von denen ich sage: Die musst du malen“, erläutert der Maler im Katalog.

Auf zumeist großformatigen Leinwänden stellt Kerbach Arbeiter in einer skizzenhaften, offenen und auf wenige Farbtöne reduzierten Malweise dar: Sein Abbrucharbeiter (2020), ein Mann im Overall vor leuchtend rotem Grund, kommt mit einer Schubkarre auf uns zu, sein Freier Maurer (2019), ein Mann mit bloßem muskulösen Oberkörper, trägt in der einen Hand die Maurerkelle und in der anderen den Eimer mit Mörtel. Die Automatisierungsprozesse der Arbeitswelt betrachtet der Maler sarkastisch: Die Arbeiter auf Beton I und Beton II (2020) drohen sich selbst einzubetonieren, der Rohrleger (2019) hat sich zur Steigerung der Arbeitsleistung einzelne Rohrteile so über den rechten Arm gestülpt, dass er zur mechanischen Gliederpuppe wird und auf dem Bild Typ Styropor (2020) verschwindet der Mensch gänzlich hinter dem auf dem Bau vielfach als Dämmstoff verwendeten Material.

„Die neuen Bilder von Ralf Kerbach sind eine Momentaufnahme, die Auskunft gibt darüber, wo er heute mit seiner Kunst angekommen ist und wohin ihn das Zeichnen und Malen in den letzten vier Jahrzehnten geführt hat. Wenn Adorno recht hat und nicht der Künstler sein Werk, sondern das Werk den Künstler erklärt, dann lohnt es sich, diese Bilder zum Typus des Arbeiters, (…), in ihrer Formensprache und im Gestus der Figuren als präzise Bildzeichen zu lesen, die etwas mitteilen über sein momentanes Selbstverständnis und seine Kunstpraxis heute. Denn von Anfang an war für ihn die Kunst ein Lebensmittel, ein permanenter Versuch, sich durch die Formulierung immer neuer Bildzeichen als Denkchiffren seiner Existenz zu versichern, sich selbst zu beobachten und zu verstehen in der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit“, resümiert Eckhart J. Gillen in seinem Katalogbeitrag.

Ralf Kerbach, geboren 1956 in Dresden, studierte von 1977 bis 1979 an der Hochschule für Bildende Künste seiner Geburtsstadt bei Prof. Gerhard Kettner, bis man ihn zur Exmatrikulation drängte. Daraufhin siedelte er 1982 nach West-Berlin über. 1986/87 erhielt er ein Stipendium in Olevano und verbrachte ein Jahr später längere Zeit in Paris. Bis 1990 lebte und arbeitete er in Valquières bei Montpellier. 1991 reiste er als Stipendiat der Deutsch-Brasilianischen Sommerakademie nach João Pessoa/Paraíba, Brasilien. Seit 1992 ist er Professor für Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Ralf Kerbach lebt und arbeitet bei Dresden. Seine Werke befinden sich in wichtigen privaten und öffentlichen Sammlungen, unter anderen in der Berlinischen Galerie, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, im Museum der bildenden Künste Leipzig und im Museum Barberini Potsdam.

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