Jenö Gindl

Jenö Gindl
sequenzer # 5, 2010, linke und rechte Tafel, jeweils: 58 x 48 cm, Palladiumprint auf Japanpapier, kaschiert auf Acrylglas weiß

„…will be continued”

5. Dezember 2009 – 27. Februar 2010

Durch Montage von schwarweißen Fotografien lässt der Künstler komprimierte Bildgeschichten entstehen. Der Betrachter soll aus den Einzelbildern – sorgfältig komponierte Szenerien-, den Kontext für sich selbst erschließen und eine Geschichte simulieren. Dabei spielt der Bildautor mit einer Vielzahl an Bedeutungen, appelliert an das Cineastische, zitiert Filme aus einem riesigen Fundus: Cinecitta bis Hollywood, wobei er aber der Fantasie des Betrachers reichlich Raum lässt.

Jede Leerstelle in seinen Fotoserien fordert den Betrachter auf, die fehlenden Bilder zu ergänzen, den Erzählfluss mithilfe eigener Kraft weiterzuentwickeln. Die verschiedenen abgelichteten Orte, die detailreiche Kompositionsweise und die kontrastreichen Bildbänder, gebündelt mit einer außergewöhnlichen Technik, machen diese Ausstellung zu einem besonders spannungsreichen Ereignis.

Neben diesem Programm werden anlässlich der Wiedereröffnung des Neuen Museums Farbfotografien ausgestellt, die den Bauzustand in Außen- und Innansichten um 1993 zeigen. Ein Zustand zwischen Verfall und Werden, Ruine und Wiederaufbau. Gindl hat das unfertige Museum im Bild festgehalten und lässt ermessen, wie viel Originalsubstanz erhalten war und wie fragil diese Reste unterschiedlicher Materialen, Oberflächen und musealer Ausstattung waren.

Jenö Gindl, 1962 in Göttingen geboren, nimmt 1985 sein Studium an der Hochschule der Künste in Berlin auf, das er 1992 mit dem Abschluss des Meisterschülers beendet. Seit 1989 arbeitet Gindl eng mit dem Göttinger Steidl-Verlag zusammen. Er baut dort die Graphikwerkstatt auf und leitet anschließend zahlreiche Editions- und Buchprojekte mit Arbeiten von Günter Grass, A. R. Penck, Richard Serra, Lou Reed, Karl Lagerfeld und anderen. 1999 ist er als Dozent für Fotografie an der Rhodes University Grahamstown in Südafrika tätig. Von 1994 bis 1997 leitet er außerdem die Lithographie-Werkstatt im Berliner Künstlerhaus Bethanien.

Im Jahr 1994 entsteht Gindls eigenes Fotostudio. Der Schwerpunkt seines handwerklichen Schaffens liegt fortan auf der Realisierung von fotografischen Edeldruckverfahren. Bei seinen in der Ausstellung gezeigten Palladiotypien verwendet der Künstler verschiedene Arten von Japanpapier, die von ihm mit einer speziellen lichtempfindlichen Emulsion vorbehandelt werden. Im Anschluss werden Negativ und Japanbogen unter UV-Licht in einem Vakuum mehrere Minuten lang zusammengepresst. Das Negativ muss bei diesem Verfahren bereits die gewünschte Bildgröße haben, da das Verhältnis von Negativ und Fotoabzug 1:1 beträgt. In einem weiteren Schritt werden die Prints, meistens paarweise, auf Büttenpapier-Bahnen oder auch transluzentes Acrylglas als Bildträger montiert, so dass homogene Bildbänder entstehen, die dem Betrachter schließlich ihre Geschichten erzählen.

Doch Gindl ist mit dem Erforschen und Ausfeilen seiner Bild-und Entwicklungstechniken längst nicht am Ende angekommen, so dass wir schon heute getrost sagen: „…will be continued” und uns bereits jetzt auch auf zukünftige Arbeiten freuen können. So wird die Galerie Poll im März 2010 den Künstler im Rahmen der Show „Art from Berlin” auf der Art Karlsruhe in einer Einzelpräsentation zeigen.

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