Harald Duwe

Menschenbilder 1962-1984

5. September – 1. November 2003

Harald Duwe, in seinen Bildern bekennender Realist, gehört zu den Künstlern, die schon frühzeitig mit der Geschichte der Galerie Poll verbunden waren. Seine erste Ausstellung fand 1975 damals noch in den Räumen am Kurfürstendamm statt. In den folgenden Jahren wurden die Bilder des norddeutschen Malers (1926-1984) in regelmäßigen Abständen dann am Lützowplatz präsentiert.

1990 fand post mortem eine große Duwe-Ausstellung in der Galerie Poll statt, bei der Malerei aus seiner gesamten Schaffensperiode (1948-1984) gezeigt wurde und die alle Aspekte seiner Arbeit berücksichtigte.

Die aktuelle Ausstellung unter dem Titel „Menschenbilder” konzentriert sich auf die Jahre 1962 bis 1984. Fokussiert wird auf die drei Arbeitsschwerpunkte Duwes, wie bereits Werner Hofmann sie in einem Katalog der Kieler Kunsthalle (1987) gliedert:

Erstens kristallisiert sich das in verschiedenen Variationen ausgeführte Motiv der Gewalttätigkeit heraus, indem Duwe parabelhaft die Dualität von Opfer und Täter oder die Sozialisation milieubedingter Verhältnisse darstellt. Ein evidentes Beispiel ist das Bild „Schwimmer” (Badeleichen) von 1967/70, auf dem wir, sehr krass, nach einem Gerangel Ertrunkene erkennen.

Als weiterer Aspekt wird die Gruppe der Kinderbilder hervorgehoben, aus denen die jungen Menschen im Räderwerk des Alltags und ihrer sozialen Umgebung gleichsam als Dulder und Betrogene, aber auch als spätere Täter hervorgehen. Hierbei wird die bürgerliche Kinderstube der bundesrepublikanischen Gesellschaft einer feinsinnigen Kritik unterzogen. Das Bild „Ulrikes Kindheit” von 1967/71 zeigt in einer vielschichtigen Tristesse den schmählichen Spiel- und Lebensraum des heranwachsenden Mädchens.

Hinzu tritt ein dritter Themenkomplex: die Dokumentation der bürgerlichen Freizeitwelt in ihrer Trivialität und Beschränktheit, in dem Duwe das Verhältnis des Menschen zu Technik und Natur in eine überspitzte Darstellungsweise transponiert.

Duwe überlagert allerdings in seiner Malerei diese drei Themenfelder häufig. Gleichberechtigt rangieren seine konkreten Kommentare und Botschaften in Bildern zu gesellschaftlichen Mißständen, wie Existenznot, Konsumrausch sowie sein politisches Engagement gegen Kriegsgreuel, Industriewachstum und Umweltzerstörung. Der heutige Betrachter erkennt, daß dieses Werk an seiner Aktualität wenig eingebüßt hat, wie z.B. die vor zwanzig Jahren entstandene „Große USA-Allegorie” (1983/84) bezeugt.

Kommentare sind geschlossen.