Franziskus Wendels

LandFlucht

2. September – 31. Oktober 2006

“Nur da wo Licht ist, ist etwas, auch wenn nichts da ist.” (Franziskus Wendels)

Licht, Kunstlicht – Nachtlandschaften erhellend – ist seit Jahren fast singuläres Thema der Arbeiten von Franziskus Wendels. Nächtliche Großstadtplätze, nachtdunkle Straßen, stille Interieurs mehr oder weniger dicht von verschiedensten Lichtquellen durchzogen und immer von erhöhtem Standpunkt aus betrachtet, ermöglichen neue Sichten auf die Stadt. Häuserfronten oder einzelne Fenster strahlen von innen.

Nie jedoch wirft Wendels Licht Schatten. Aus den Lichtpunkten wachsen Objekte in die Nacht. Leuchtzeilen bilden Hochhäuser, flüchtige helle Striche erzählen von nachtfahrenden Autos, Farbtupfer zeigen Straßenlaternen. Bewegung entsteht aus der Abfolge in diffusem Radius strahlenden Lichts. Diese optische Unergründlichkeit macht die Faszination seiner Bilder aus. Es stimuliert die Phantasie des Betrachters und verleiht den Arbeiten eine fast mystische Ausstrahlung. Das suchende Auge bewegt sich über den Bildrand, um gleich darauf durch die eigene Imagination vertrauter Erinnerungen wieder ins Bild hineingezogen zu werden.

Wendels (*1960) ist ein Pendler zwischen den Welten. Früh erlag er der Faszination der Großstadt und braucht doch gleichzeitig die Abgeschiedenheit der Provinz, um seine vielfältigen, oft nur in der Dynamik grober Lichtlinien skizzierten Eindrücke städtischer Orte und Ereignisse auf die Leinwand zu bannen. LandFlucht steht für den Weg, auf dem seine Arbeiten entstehen. Wendels Bilder, die oft an Filmstills erinnern, erzeugen, obwohl menschenleer, keine Einsamkeit. Der Betrachter bekommt das Gefühl, hier sei gerade etwas passiert oder es werde gleich eine Veränderung eintreten. Dazu notwendige Akteure scheinen nur kurzzeitig abwesend. Die Spannung entsteht so aus der Ungewißheit.

In einigen neuen Bildern nimmt Rot in mannigfaltigen Schattierungen den Platz des sonst schwarzen Fonds ein, erstrahlen auch die Lichter in rötlichem Schein. Die so entstehenden Stadtlandschaften und Rauminterieurs wirken sowohl sinnlich als auch bedrohlich.

Die Nachtbilder des studierten Theologen, Philosophen und Künstlers, inspiriert von Novalis und Eichendorff, für die die Nacht eine Metapher für das Geheimnis des Lebens war, beschleunigen die Sinne des Betrachters und entschleunigen ihn in einer visuell übersättigten Zeit.

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