Bettina von Arnim

Bettina von Arnim
Optiman, 1969, Öl auf Leinwand, 138 × 112 cm

Die Cyborgs und ihre Spuren 1968-1983. Malerei und Zeichnung

19. September – 21. November 2015

(Katalog)

Ihre neuen Räume in der Gipsstraße 3 eröffnet die Galerie Poll am 18. September 2015 mit der Ausstellung Die Cyborgs und ihre Spuren 1968-1983, in der Malerei und Zeichnungen Bettina von Arnims aus Anlass des 75. Geburtstages der Künstlerin gezeigt werden. Einen Überblick über das druckgrafische Werk gibt die Kunststiftung Poll unter dem Titel countdown. Beide Ausstellungen – nunmehr in der Gipsstraße 3 unter einem gemeinsamen Dach – sind bis zum 21. November 2015 zu sehen.

Ein Katalog mit zeitgenössischen Texten und zahlreichen Bildtafeln erscheint in der Reihe der POLLeditionen (44 Seiten, ISBN 978-3-931759-38-4, 15 Euro). Die Künstlerin legt aus Anlass der Ausstellungen einen Katalog ihrer Radierungen mit eigenen Texten vor (40 Seiten, zahlreiche Bildtafeln, 15 Euro).

Bettina von Arnim beginnt Ende der 1960er Jahre damit, vor der „Machtergreifung der Technokraten“ (Werner Rhode) zu warnen. Sie steht der Industrialisierung der Landwirtschaft und der Eroberung des Weltraums skeptisch gegenüber. Ihre mit feinem Pinselstrich im Stil der Pop Art oder später des kritischen Realismus gemalten großformatigen Ölgemälde und ihre virtuos ausgearbeiteten Blei- und Farbstiftzeichnungen zeigen Maschinenmänner und künstliche Landschaften. Mit Bezug auf den Essay Zum Mond und weiter heißen sie Optiman und Kyborg oder werden nach H. G. Wells Galaktischer General genannt. Roboterartige Wesen in phantastischen Monturen, deren innere Organe durch Röhren und Trichter ersetzt sind, begräbt die Künstlerin in einer von ihnen selbst zerstörten Landschaft wie in den Gemälden Kahlschlag oder Schacht, und lässt sie allmählich aus dem Bildraum verschwinden. Zurück bleiben Marslandschaften, kryptische Schriftzeichen, betonierte Muster.

Bettina von Arnim sah schon sehr früh, so Wolfgang Längsfeld im Katalog des Kunstvereins Augsburg 1981, „Astronauten, Androiden und Roboter nicht als eine erstrebenswerte Zukunft des ‚perfekten Menschen‘, sondern als Bedrohung, Deformation und Entindividualisierung (…). Und sie wagte es, ihre Kritik in schöne Bilder zu packen“.

Bettina von Arnim, geboren 1940 in Zernikow (Mark Brandenburg) und Nachfahrin der gleichnamigen Dichterin der Romantik, studierte von 1960 bis 1965 an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Ein Stipendium des Maison de France führte sie 1962-63 nach Paris, wo sie in der Werkstatt des Grafikers Johnny Friedlaender intensiv die Radiertechnik studierte. Bettina von Arnim gehörte zusammen mit Ulrich Baehr, Hans-Jürgen Diehl, Maina-Miriam Munsky, Wolfgang Petrick, Peter Sorge u. a. zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe Aspekt (1972-1977). Seit 1975 lebt und arbeitet sie in Südwest-Frankreich.

Werke der Künstlerin befinden sich in bedeutenden privaten und öffentlichen Sammlungen, u. a. der Berlinischen Galerie, der Deutschen Bank, der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland, dem Städel Museum und dem Kunstmuseum Bonn. Neue Aufmerksamkeit erfuhr von Arnims Oeuvre durch die Ausstellung German Pop 2014/15 der Frankfurter Schirn Kunsthalle.

Parallel zu den Ausstellungen in der Galerie Poll und der Kunststiftung Poll zeigt die Galerie Philipp Pflug Contemporary in Frankfurt am Main die Ausstellung Mutanten und Meteorologen mit ausgewählten Werken der Künstlerin (12. September bis 31. Oktober 2015).

Faltblatt zur Ausstellung (Pdf-Datei)

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