Antonello Bulgini

Bestiarium mundi

10. Juni – 31. Juli 2006

(Katalog)

Erst spät entschied sich der 1960 geborene Italiener Antonello Bulgini für ein Leben in und mit der Kunst. Nach dem Besuch der Militärakademie in Livorno und einem nach fünf Jahren abgebrochenen Medizinstudium in Pisa, wandte sich Bulgini als Autodidakt ganz der Kunst zu.

Erste Ausstellungen u. a. in Livorno, Rom und Turin folgten. Die Liebe führte Bulgini 1988 nach Deutschland. Er begann noch im selben Jahr sein Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München, diplomierte dort erfolgreich und wurde Meisterschüler bei Sean Scully.

Eindrücke des Alltags, gelebte Leben und “gestohlene Erinnerungen”, wie es Bulgini selbst nennt, verschmelzen in seinen Bildern zu manchmal bizarr anmutenden Landschaften, die scheinbar ureigene, komische und tragische Geschichten erzählen wollen, dabei jedoch immer rätselhaft bleiben.

Das Personal in Bulginis Bildfolge “Pathetische Landschaften” ist zwiespältig in seinem Tun, vielschichtig in offerierten Assoziationsmöglichkeiten. Ob Accessoires in Traumlandschaften oder Protagonisten seltsamer Welten, Bulginis Figuren wirken meist reaktiv, scheinen langsam zu agieren und werden so integraler Bestandteil der sie umgebenden Phantasielandschaften. Die Geschichten finden ihn und Bulgini läßt sich von seiner Malleidenschaft treiben: “Vor meiner Tür sind Gestalten mit schon fertigen Geschichten erschienen, es genügte sie eintreten zu lassen, sie haben sich auf dem Sessel erbrochen, haben ein Stück Brot gegessen und sind weg gegangen. … Ich habe nur gelernt, auf sie zu warten und sie nicht zu suchen.” Und er hat gelernt, wieviel Disziplin notwendig ist, um die phantastischen Welten nicht im Überschwang des Tatendrangs ausufern zu lassen. Immer erscheinen sie dem Betrachter als geschlossenes Ganzes.

F.W. Murnaus kongeniale Licht-Raum-Inszenierungen im Stummfilm “Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens” (1922) inspirierten Bulgini zu seiner Werkfolge “Videoüberwachung”. Die Faszination des kahlen Raumes paart sich mit durch die Leere erzeugter Angst. Ganz in Brauntönen gemalt, wird in dieser Serie das Licht zum Impulsgeber der Szenerie, wenn es verschiedenfarbig durch Türspalten, Fenstergitter oder Oberlichter fällt. Überwacht wird hier niemand und mit den Titeln der einzelnen Blätter mit Aussagen wie “Fehlen jeglichen Zögerns”, “Sensibler Bewohner” oder “Das Licht webt Schatten und Verbrennungen” konterkariert der Künstler humorvoll den Serientitel.

Bulgini ist ein Wanderer zwischen den Welten, Gegensätze sind sein Thema. Beim Ausloten von hell und dunkel, leise und laut, Wunschbild und Verdammnis malt er sich kraftvoll bis an die Grenzen dessen was das Triebhafte im Menschen sichtbar werden läßt – bestiarium mundi eben.

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