Großgörschen 35

40 Plus | Minus. Ein Stück West-Berlin 1964-1968

16. September – 22. November 2005

Bilder und Arbeiten auf Papier von Hödicke, Sorge, Diehl, Baehr, Koberling, Petrick, Lüpertz, Lange, Wintersberger, Schoenholtz, Berges, Barge, Albert, Benkert, Damke und anderen.

In den 60iger Jahren gab es viel kreative Bewegung im Westteil Berlins: Erwin Piscator war zurückgekehrt; der Schauspieler Günter Meissner mit der Galerie “Diogenes” in der Bleibtreustraße; das “Living Theatre” in der Akademie der Künste, Frank Burckners Expressionistisches „Forum” am Ku-damm, Ben Wargin im Tiergarten, Manfred de la Motte im Haus am Waldsee und, und, und….; darunter auch Großgörschen 35, die erste Selbsthilfegalerie Deutschlands. Sie wurde 1964, also vor 40 plus einem Jahr gegründet.

Das Projekt war eine offene Geschichte. Also nicht von Anfang an Realismus. Das Ziel, gemeinsam etwas auf den Weg zu bringen. 14 Künstler richteten sich in der leer stehenden Fabriketage in der Großgörschenstraße 35 im (West-)Berliner Bezirk Schöneberg einen Ausstellungsraum her, den sie gemeinsam finanzierten, um dort nach- oder miteinander ihre Arbeiten zu präsentieren, weil sie auf dem damals offiziellen Kunstmarkt keine Chance hatten. Erst Jahre später haben sich einzelne Teilnehmer, darunter vor allem Sorge, Diehl und Petrick, auch unter dem Rubrum “Kritischer Realismus”, zur Gruppe “Aspekt” zusammengeschlossen. Nach einem Jahr verließen Hödicke, Wintersberger und Lüpertz die Gruppe; Eva und Lothar C. Poll stießen 1966 unterstützend als Seiteneinsteiger dazu. Aus Spiel wurde Ernst. Das Gedicht des Münchner Schriftstellers Rolf Funke „Der Ernst des Lebens“ (1967) auf unserer Einladungskarte, hier zum ersten Mal veröffentlicht, spiegelt die damalige Stimmung.

Die Bedeutung der Galerie Großgörschen lag, außer in ihrem Modellcharakter als Selbsthilfegalerie, vor allem darin, daß sie die wichtigsten jungen Künstler der Zeit, die später zu unterschiedlichem Ruhm gelangen sollten, zusammenfaßte und bekannt machte. Es war der Beginn einer Erneuerung der Kunst, die bis heute ihren Stellenwert in der neueren Kunstgeschichte nicht nur behalten hat sondern noch immer fortwirkt. (Ursula Prinz)

In dieser Ausstellung, Hommage und Spurensicherung zugleich, zeigen wir ab 16. September Bilder und Arbeiten auf Papier der genannten Künstler aus den Jahren 1964-1968.

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