grenzenlos

grenzenlos
Vlassis Caniaris, Veste sur baudrier, 1972
künstlerische Positionen aus England, Frankreich,
Griechenland, Italien, Spanien und Venezuela  
1947 bis 1992
Eduardo Arroyo, Paolo Baratella, Jacobo Borges,
Vlassis Caniaris, Rafael Canogar,  Ian Colverson, Equipo Crónica,
Erró, Jean Hélion, Peter Klasen, Denis Masi, Jacques Monory,
Mimmo Rotella, Mario Schifano, Giangiacomo Spadari

 

4. November 2017 bis 6. Januar 2018
Eröffnung: 3. November 2017, 18-21 Uhr
Vom 27.-30.12.2017 ist die Galerie geschlossen.

 

Die Ausstellung „grenzenlos“ vereint Positionen von 15 Künstlern, zumeist aus dem europäischen Ausland. Beginnend mit dem Jahr 1947 liegt der Schwerpunkt auf Arbeiten aus den 1970er und 1980er Jahren. Es geht dabei nicht um Chronologie, sondern um Kunst und Zeitgeschichte: Bis 1989 war West-Berlin einerseits umgeben von der Mauer, der Grenze zur DDR. Andererseits trafen sich hier Künstler, Schriftsteller und Musiker aus aller Welt, angelockt von Geist und Atmosphäre der Stadt, gefördert durch die Berliner Künstlerprogramme des DAAD. Auch Eva und Lothar C. Poll, die ihre Galerie 1968 in West-Berlin gegründet hatten, ließen sich nicht durch die Verhältnisse einengen und pflegten Kontakte über politische Grenzen hinweg: Einige der jetzt wieder ausgestellten Künstler hatten sie 1970 im Frankfurter Kunstverein kennengelernt, in der von Georg Bussmann konzipierten Ausstellung „Kunst und Politik“.

Fernsehen und Presse hatten die Weltöffentlichkeit mit der mörderischen Kriegsführung der USA in Vietnam konfrontiert und über die brutale Zerschlagung des Prager Frühlings durch sowjetische Truppen berichtet. Frankreich wurde nach dem Algerienkrieg  durch Bombenattentate und Lynch­justiz erschüttert. Fast täglich erschienen Fotos über die Hungersnot in Biafra oder Berichte über Menschenrechtsverletzungen durch die Militärdiktatur in Griechenland, das Franco-Regime in Spanien oder das Schahregime im Iran. Die Grenzen staatlicher Zensur schienen von den modernen Medien durchbrochen, aber das hatte kaum politische Konsequenzen.

Auf diese lähmende Situation reagierten Künstler wie Erró oder die Gruppe Equipo Crónica mit einer Mobilisierung des widerständigen Potentials von Malerei und Zeichnung. Auf den Punkt hat der Spanier Rafael Canogar diese Strategie einer politischen Kunst gebracht, als er 1970 schrieb: „Wir können nicht Zeugen sein, von dem was auf der ganzen Welt geschieht, aber wir sind von den Massenmedien umgeben, die uns ständig dem Tod und der Zerstörung aussetzen. Wir sind nicht mehr fähig, wie menschliche Wesen auf diese nur zu vertrauten menschlichen Ergebnisse zu reagieren. Statt dessen nehmen wir sie als reine Statistiken hin, die mit Bildern, mechanisch in Kompositionen aus schwarzen Punkten verwandelt, geschmückt werden. Ich arbeite genau mit diesen Medien, mit den Photographien der Massenmedien, die  für mich einen Verlust an Kommunikation darstellen. Mein Ziel ist es, den Prozeß umzudrehen – ich versuche, diese mechanischen Bilder wieder in lebende zu verwandeln.“

Auf dieser Grundlage waren weder Historienbilder noch Panoramen zu erwarten, vor allem die Collage erwies sich als zeitgemäßes Ausdrucksmittel. Und als grenzenlos dazu, insbesondere in Berlin. So hat es auch der französische Essayist Maurice Blanchot damals gesehen: „Das Problem der Teilung (…), so wie es Berlin stellt, (…) ist, glaube ich, ein Problem, das wir in seiner GANZEN Realität nur adäquat formulieren können, wenn wir uns entschließen, es FRAGMENTARISCH zu formulieren (was nicht partiell bedeutet).“ Intention der Ausstellung ist es, pars pro toto, mit einer Auswahl die Geschichte der Galerie und ihrer Stadt Berlin zu beleuchten.

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