Dieter Kraemer

Dieter Kraemer
Die Piloten Tempelhof, 1958, Öl auf Nessel, 164 x 101 cm

Stadtansichten und andere Berlin-Motive
Malerei und Zeichnung 1958-1964

 

11. Februar bis 15. April 2017
Eröffnung: Freitag, 10. Februar, 18-21 Uhr

Einführung: Fred Breinersdorfer (gegen 19 Uhr)

Der Künstler ist anwesend.

Dieter Kraemers Bilder und Zeichnungen bedürfen keiner Erklärung. Der Künstler stellt nichts weiter dar, als was zu sehen ist: Häuserfassaden, ein Blick in das Schaufenster eines Hutgeschäfts oder Frau und Mann bei einem Rendezvous. Dieter Kraemer ist ein stiller Beobachter seiner unmittelbaren Umwelt. Er lässt sich auf Menschen und Dinge ein, die ihn umgeben. Auffallend ist dabei die Virtuosität, mit der er sein Handwerk beherrscht und seine Liebe zum Detail.

Zum 80. Geburtstag des am 8. Februar 1937 in Hamburg geborenen Künstlers richtet die Galerie Poll dem seit Jahrzehnten von ihr vertretenen Dieter Kraemer eine Ausstellung aus. Damit wird ein Ausstellungsreigen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten in verschiedenen deutschen Städten eröffnet, der im September (28.9.2017-21.1.2018) mit einer Retrospektive des Rheinischen Landesmuseums Bonn mit umfangreichem Katalog endet.

Die in der Galerie Poll gezeigten frühen Stadtlandschaften und Berliner Stillleben sind entstanden, als Dieter Kraemer ab 1957/58 für einige Jahre in der geteilten Stadt lebt. Neben für Kraemer typischen, realistisch in gedeckten Farbtönen wiedergegebenen Motiven wie „Ausblick H.f.b.K. auf TU“, „Balkonstillleben“ oder „Ofenbild“ stellt die Galerie auch einige frühe Arbeiten des Künstlers zum Thema Luftfahrt vor. Auf diesen Bildern von Piloten, dem Flugplatz Berlin-Tempelhof oder technischen Details der Flugzeuge bedient sich der Maler, wie auch in einigen seiner frühen Berliner Stadtansichten, noch kubistischer Stilelemente; transparent aufgetragene Blau-, Grau- oder Violetttöne dominieren.

Bemerkenswert ist, dass beide Lehrer Kraemers, Heinz Trökes in Hamburg und Hann Trier in Berlin, bei dem er 1961 sein Studium als Meisterschüler abschließt, Vertreter des Ungegenständlichen sind. Kraemer dagegen verfolgt in seinem Werk von Beginn an eine künstlerische Bestandsaufnahme der real existierenden Welt. Von seinen Lehrern eignet er sich nur das Handwerk an. Seine Vorbilder für den in dieser Zeit völlig inopportunen Realismus findet er in den Malern der Neuen Sachlichkeit, u.a. in Max Beckmann.

„Kraemers Menschen sind alles eher als schön im landläufigen Sinne; die Antike und ihr Schönheits-Ideal liegen weltenweit hinter ihnen zurück, und ein Stich ins Proletarische läßt sich in ihren Gesichtern und Leibern keinesfalls übersehen. Sie blicken gleichgültig aneinander und am Betrachter vorbei in die Ferne, ein wenig dumpf zwar, aber dabei keinesfalls unzufrieden. […] Ihre Ruhe erinnert ein wenig an die Ruhe der Stilleben, und es wäre nicht übertrieben, zu sagen, Kraemer liebe es, die Menschen zu Menschen-Stilleben zu arrangieren“, schreibt der Kunstkritiker der Berliner Morgenpost Hellmut Kotschenreuther. Heinz Ohff konstatiert im Berliner Tagesspiegel: „Er klagt nicht an, er stellt fest. Seine Bilder haben das Gewicht lapidarer Erkenntnisse. So ist es. Nicht anders.“

Kraemers Talent wird früh erkannt: 1958 ist er Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes und 1959 des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie. 1972 erhält er ein Stipendium der Cité des Arts, Paris, 1979 wird er mit dem Kunstpreis Villa Massimo, Rom, und 1980 mit dem Kunstpreis Villa-Romana, Florenz, ausgezeichnet. Schon als 26-Jähriger erhält Kraemer 1963 einen Ruf an die Kölner Werkschulen als Dozent für die Grundlehre. Im selben Jahr wird er Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. Ab 1973 ist Kraemer Professor für Malerei am Fachbereich Kunst und Design an der Fachhochschule Köln und von 1993 bis 2003 Professor für Malerei an der Kunsthochschule für Medien Köln. Kraemer wurden zahlreiche Ausstellungen von Galerien und öffentlichen Institutionen ausgerichtet, seine Arbeiten hängen in bedeutenden Sammlungen und Museen. Dieter Kraemer lebt und arbeitet in Köln.

Zur Ausstellung ist ein Faltblatt erschienen.

 

 

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