Geschichte

„Kein bunter Reigen, sondern eine zwar individuell-eigenwillige, aber qualitätsbewusste Auswahl.“  Diese Beschreibung des Galerie-Programms durch den langjährigen Kunstkritiker des Tagesspiegels Heinz Ohff hat auch rund fünf Jahrzehnte nach Gründung der Galerie Poll am 8. Oktober 1968 noch Bestand.

Auch wenn im Zeitalter von Internet und weltweiten Agierens auf Kunstmessen und Biennalen die herkömmliche Galeriearbeit mit Künstlern und Kunstliebhabern mancherorts in den Hintergrund getreten ist, sehen Eva und Lothar C. Poll ihre Aufgabe immer noch darin, Kunstliebhaber und Sammler mit ungewöhnlichen Künstlern und interessanten Arbeiten bekannt zu machen, sie immer wieder neu mit ihrer Begeisterung für die Kunst anzustecken. Auch nach jahrzehntelanger kontinuierlicher Galeriearbeit wendet sich die Galerie Poll mit ihrem Programm den Schwerpunkten Realismus und Figuration zu. Dabei fühlt sie sich nicht ausschließlich der Gegenwart und dem Zeitgenössischen verpflichtet, sondern ist immer wieder offen für Entdeckungen vergessener Positionen aus zurückliegenden Jahrzehnten.

Zu Beginn ihrer Tätigkeit setzten die Polls die Tradition der ersten Künstler-Selbsthilfegalerie Großgörschen 35 (1964-1968) fort. Seither realisierten sie in Berlin rund 460 Ausstellungen mit Malerei, Skulptur, Fotografie, Zeichnung und Graphik aus Deutschland, der DDR, aus Russland, Frankreich, Italien und Spanien.

Neben den Künstlern der ersten Stunde Hermann Albert, Wolfgang Petrick oder Peter Sorge werden regelmäßig Maler wie Ralf Kerbach, Maxim Kantor, Thomas Lange, Volker Stelzmann, Jan Schüler, Norbert Wagenbrett, L. M. Wintersberger und die Bildhauer Sabina Grzimek, Emerita Pansowová, Hans Scheib, Joachim Schmettau und Genni/Jenny Wiegmann-Mucchi in Ausstellungen gezeigt. Aber auch Klassiker wie Walter Gramatté, Jean Hélion, Herbert Kaufmann oder Waldemar Grzimek und Fotografen wie Gundula Schulze Eldowy, Jenö Gindl, Richard Thieler oder Erhard Wehrmann gehören zum Galerie-Programm. Immer wieder bietet die Galerie jungen Künstlern wie jüngst dem tschechischen Maler Lubomír Typlt oder dem russischen Zeichner Danja Akulin ein Forum.

In Würdigung ihrer großen Verdienste um die Berliner Kunstlandschaft und ihres langjährigen kulturpolitischen Engagements wurde Eva Poll im Jahr 1993 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen und im Jahr 2008 die Ehrenpräsidentschaft des Landesverbandes Berliner Galerien übertragen.

Eva und Lothar C. Poll gründeten die Galerie Poll 1968 im damaligen West-Berlin in der Charlottenburger Niebuhrstraße, zogen nach einigen Jahren an den Kurfürstendamm und schließlich 1979 an den Lützowplatz, wo die Galerie 30 Jahre lang ihr Domizil hatte. Von 2009 an hatte die Galerie ihren Sitz im ehemaligen Pfarrhaus der Garnisonkirche in der Anna-Louisa-Karsch-Straße in die Nähe der Museumsinsel. Seit Ende 2012 arbeitet auch Nana Poll in der Galerie ihrer Eltern, nachdem sie zuvor über 14 Jahre bei den Berliner Festspielen und der Stiftung Schloss Neuhardenberg für den Bereich Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich war. Sie leitet die Galerie nun gemeinsam mit ihrer Mutter Eva Poll.

Im September 2015 hat die Galerie ihre neuen Räume in der Gipsstraße 3 in Berlin-Mitte eröffnet und befindet sich damit unter einem Dach mit der Kunststiftung Poll.

Der gemeinsame Standort des Unternehmens in der Gipsstraße 3, in der sich auch das Schaulager der Galerie befindet, bietet mit insgesamt rund 350 m² Ausstellungsfläche vielfältige Möglichkeiten, zum Beispiel für thematisch aufeinander abgestimmte Ausstellungen.

Das Gebäudeensemble in der Gipsstraße 3 hat eine bewegte Geschichte: Dort befanden sich das erste katholische Altenpflegeheim Berlins, der „Erste Israelitische Volkskindergarten und Hort“ sowie die Musikschule des Bezirks Berlin-Mitte, bevor es nach den Entwürfen des Architekten Jürgen Pleuser zu einem Kunst- und Atelierhaus ausgebaut wurde.